uxzentrisch erörtert:
Rabattkarten mit 12 statt 10 Punkten aktivieren Kunden schneller

Vor einigen Wochen war ich im Karlsruher Hauptbahnhof. Dort gibt es einen Ableger von immergrün, einem Frozen Yoghurt Franchiseunternehmen, der sehr zum empfehlendes Eis im Angebot hat. Zu meinem leckeren Frozen Yoghurt gab es damals eine Rabattkarte. Die Bedienung war so nett und stempelte auf die Karten nicht nur einen sondern zwei Stempel. Das empfand ich als sehr nett, denn es fehlten nur noch 10 der 12 Stempel. Bei den nächsten Stopps in Karlsruhe habe ich dann in der Regel ein Eis gekauft und natürlich meine Rabattkarte auf den Tisch gelegt.

Und heute stolpere ich über diesen Blogartikel: The illusion of progress lights a fire, der sich auf eine Studie »The Goal-Gradient Hypothesis Resurrected:
Purchase Acceleration, Illusionary Goal Progress, and Customer Retention
« aus dem Jahre 2006 bezieht.

»One was to see how quickly people with ‘coffee shop loyalty cards’ would fill up their cards as they got nearer to the ‘buy ten get one free’ goal. Sure enough, the last few stamps were acquired more quickly than the first ones.

But here’s the clever bit. They did an experiment where they gave some customers a ‘buy ten get one free’ card, while others got a ‘buy twelve get one free card’ but with the first two stamps already filled in.

In practical terms, the loyalty scheme was identical, but the customers bought coffees more quickly to full up the ‘buy twelve’ cards in less time – in line with ‘goal gradient hypothesis’ – despite the fact that the actual progress towards the goal was no different. »

Wenn der Gewinn also schon zum Beginn des Prozesses emotional erfahrbar gemacht wird, haben wir das Gefühl dem Ziel näher zu sein und so eher gewillt das Ziel wirklich abzuschließen.

Wo könnten man eurer Meinung nach diese Technik überall einsetzen?

5 Kommentare

Niclas vor 3 Jahren

Das ist echt super spannend. Schon faszinierend, wie der Mensch bei sowas reagiert.

Jonas Stallmeister vor 3 Jahren

Das Beispiel kommt auch in Susan Weinschenks Buch »100 Things Every Designer Needs to Know About People« vor. Das Gefühl, Fortschritt zu machen, ist wichtiger, als die Menge der Schritte. Solange ich die Kontrolle habe und weiß wie ich weiterkomme, könnte zum Beispiel eine Anmeldung oder ein Check-Out länger sein.

Ohne Kontrolle komme ich mir betrogen vor, wenn der Fortschritt am Anfang schneller ist, siehe http://xkcd.com/612/

Tamim Swaid Autor vor 3 Jahren

@Jonas und Niclas – Wie wäre es mit Gravatar Accounts :)
@Jonas: xkcd joke ist awesome :)

Peter Klein vor 3 Jahren

Mit einer 10er-Karte, bei der sie nur ein Feld gestempelt hätte, wärst du aber besser weggekommen ;-)

@sven_de_ka vor 3 Jahren

ich stelle mir gerade vor, dass in der Warenkorbansicht eines Shops bereits die Punkte »stöbern« und »finden« als >>erledigt<< markiert sind und nur noch das (rechtlich korrekte) "bindende Kaufen" ausgewählt werden muss. Wenn man den Entscheidungsprozess vor Augen führt ("Nutzerempfinden: ich habe so lange gesucht") und den Abwicklungsprozess vereinfacht ("so schnell kann ich es haben"), könnte dieses Prinzip sogar Schule machen.

sehr inspirierender Post. (zumal ich heute eine ähnliche Unterhaltung hatte)

Danke