uxzentrisch erörtert:
6 Tipps für das Texten von Verlinkungen

6 wichtige Wegweiser für das schnelle Auffinden nutzerrelevanter Informationen

Das Thema »Nutzerzentrierung« hat viele Ausprägungen und Facetten. Eindeutig ist allerdings ihr grundlegender Ansatz, dass sich das Informationsangebot eines Webauftritts an den Nutzerbedürfnissen auszurichten hat. Diese Vorgabe gilt für die Funktionalität und das Layout einer Website, natürlich aber auch für deren Inhalte. Was so selbstverständlich klingt, wird in der Content-Praxis nicht selten außer Acht gelassen.

In der inhaltlichen Konzeption werden insbesondere Linktitel und Teaser oft stiefmütterlich behandelt. Und das obwohl die User-Anforderungen beim Surfen gewachsen sind. Sobald er eine Website angesteuert hat, erwartet der Nutzer schnelle und effektive Orientierungshilfen, um die gewünschten Informationen auffinden zu können. Anders ausgedrückt: Das Informationsangebot bzw. die Inhalte einer Website haben aufgrund der immer kürzeren Verweildauer kaum noch die Chance, gelesen zu werden, wenn der gesuchte Content nicht sofort oder ohne Umwege abgerufen werden kann.

Eine Schlüsselrolle, den User auf möglichst kurzer Strecke zu den gewünschten Inhalten zu führen, spielen Verlinkungen. Vergleichbar mit der Fahrt über eine Autobahn hat der Linktitel die Bedeutung einer Wegbeschreibung oder Autobahnkreuz-Beschilderung. Ist sie schon aufgrund der Fahrgeschwindigkeit nicht erkennbar oder nicht aufschlussreich genug, verfährt sich der Fahrer, kommt verspätet ans Ziel oder erreicht es erst gar nicht. Übertragen aufs Internet findet der User die gesuchten Inhalte nicht. Damit der Ausflug ins WWW zu einer zügigen und erkenntnisreichen Spritztour wird, sollten deshalb folgende Grundsätze beherzigt werden:

  • Eine gute Wegbeschreibung beschränkt sich auf das Wesentliche.
  • Der Nutzer klickt vorzugsweise auf Links, die ihn schnell an sein Ziel führen.
  • Inhalts- und lösungsorientierte Linktitel sind zielführende Wegmarken.
  • Eine trennscharfe Bezeichnung der Linkziele helfen dem Nutzer sich zu orientieren – insbesondere, wenn er sich zwischen zwei Verweisen entscheiden muss.
  • Die Informationen, die der Nutzer braucht, um ans Ziel zu gelangen, sollten strukturiert aufbereitet sein.

Die Tipps zeigen, um im Bild zu bleiben, wie die Autobahn aussagekräftig beschildert wird bzw. wie Verlinkungen so betitelt werden, dass sie auf dem Weg zur Information eine schnelle Orientierungshilfe sind:

Autobahn A1:

Ein guter Linktitel nennt den für den User relevanten Inhalt – oder würde man gerne über alle kommenden Ausfahrten informiert werden wollen und erst dann den Namen der Autobahn (A1) erfahren, für die sie aufgezählt wurden?

Autobahn A2:

Der Linktext ist so kurz wie eine Überschrift zu verfassen, aber gleichzeitig auch so detailliert, als ob der Verweis alles wäre, was der Nutzer zum Linkthema zu lesen bekäme. Dazu reichen 8 Wörter, länger sollte der Linktext nicht sein. Oder wäre etwa folgende Autobahnbeschilderung hilfreich? »Wenn Sie in den Süden fahren wollen, nutzen Sie die Abfahrt 49 auf die Autobahn 3 in Richtung Wiesbaden.«

Beispiele

  • Gut: »Anleitungen zur Router-Installation«, »Installationsanleitung FBF WLAN 7390a«, »WLAN-Router-Installation FBF WLAN 7390a«
  • Schlecht: »mehr…«, »weiter…«, »Alles Weitere erfahren Sie hier.«

Autobahn A3:

Entscheidend ist der Inhalt, nicht das Datei-Format des Links. Deshalb ist das Thema, der Mehrwert oder der Sinn und Zweck des Linkziels zu beschreiben. Dagegen ist der textliche Verweis allein aufs Dateiformat für den Nutzer irrelevant. Ebenso wie das Autobahn-Auffahrtsschild, das auf die Zwei- oder Dreispurigkeit der Strecke hinweist, ohne das Ziel zu nennen.

Beispiele

  • Gut:: »Handbuch FBF WLAN 7390a«, »Gegenüberstellung der Tarife«
  • Schlecht: »PDF-Handbuch zum Download«, »WMV-Video-Tutorial«

Autobahn A31:

Auf Basis von A3 ergibt sich automatisch die nächste Empfehlung: Mehrere Verlinkungen oder ganze Verweislisten sind nicht ihrem Format entsprechend zu strukturieren, sondern unter thematischen bzw. inhaltlichen Gesichtspunkten zu sortieren.

Beispiele

  • Gut:
    »(Handbücher) Router-Installation«
    FBF WLAN 7390
    FBF WLAN 4530
    FBF WLAN 1250
  • Schlecht:
    »PDF-Handbücher«
    FBF WLAN 7390
    GlackGerry Curve 8520 GSM
    Ramrung MALAXY S II
    Vuyitsu TIVEDOOK AH530
    Zoni WAJO E Series

Autobahn A4:

Jedes Linkziel ist einzigartig – der Linktitel ist daher griffig und prägnant zu formulieren. Je weniger Text der User erfassen muss, um sich ein aussagekräftiges Bild vom Verweisziel zu machen, desto besser.

Beispiele

  • Gut: »Anleitung: Router-Installation FBF WLAN 7390a«, »FBF WLAN 7390 Router-Installation«
  • Schlecht: »Wie man einfach einen Router installiert«, »Informationen zur Installation eines Routers«

Autobahn A41:

Linktitel müssen konkret und relevant sein, das folgt aus A4. Generische oder uferlose Verweisheader, die gleich ein ganzes Sammelsurium an Themen und Fragen abdecken sollen, gehören dagegen auf den Index eines jeden Konzepters, der sich Nutzer- oder noch besser Kundenzentrierung auf die Fahnen geschrieben hat.

Beispiele

  • Gut: »Installationsanleitungen Smartphone XY«, »Smartphone Installationsanleitungen, Modell XY«, »Roaming-Gebühren – Ihre Fragen, unsere Antworten«, »Kostenaufstellung Roaming«, »Tarifzonen Ausland«
  • Schlecht: »FAQ«, »Häufig gestellte Fragen«, »Nützliches«, »(generelle) Informationen«, »Sonstiges«, »Aktuelles«, »Quicklinks«, »Useful Links«

Diese und ähnliche Begrifflichkeiten sind besonders dann irreführend, wenn sie – was oft der Fall ist – auf Seiten führen, die nicht in die spezifischen Themen der Navigations- und Menüsteuerung eingebunden sind.

4 Kommentare

Tobias Jordans uxzentrisch vor 4 Jahren

Hallo Marcel! Danke, dass du diesem wichtigen Thema gehör verschaffst!

Eine Ergänzung: Die schlimmste Link-Sünde, die mir ständig über den Weg läuft, ist hier. Ich mache den Schreibern dort keinen Vorwurf, denn es ist so viel leichter den gewünschten Link hier an einen Satz anzuhängen, als den Satz aufwändig umzuformulieren, so dass er eine eindeutige Beschreibung des Linksziels ist und auch noch in den Lesefluss passt.

Ein Widerspruch: Ich halte das Dateiformat eines Links für extrem relevant für Nutzer!
Ich würde daher sagen: »Sehr gut: »Handbuch FBF WLAN 7390a (PDF)«, »Gegenüberstellung der Tarife (PDF)««
Der Punkt: Ich stimme dir zu, dass PDF nicht die Kernbotschaft des Links ist und daher nix am Anfang zu suchen hat. Als Nutzer muss ich mich aber darauf verlassen können, dass ich eine Ahnung habe, was passiert, wenn ich auf einen Link klicke. In 80 % der Fälle ist es ein ein einfacher Seitenwechsel. Immer dann aber, wenn diese Interaktion durchbrochen wird, sollten wir wo immer möglich den User informieren. Es ist unsere Pflicht als UXler, User vorzuwarnen wenn ihr Browser nach dem Klick potentiell 10 Sekunden einfriert, Acrobat Reader startet, die Datei runterlädt …
Gleiches gilt wenn sinnvoll für Links die in einem neuen Fenster öffnen oder das E-Mail-Programm starten.

Kennst du weitere gute Artikel zu diesem Thema? – Das hier ist meine Sammlung, die ich gerne ergänzen würde: http://www.diigo.com/user/tordans/link

MarkusM vor 3 Jahren

Hi und Danke!

Vielleicht noch kurze Ergänzungen, wenn es gestattet ist:

- ich halte das Dateiformat auch als absolute Pflichtangabe bei Links (oder Downloads) -> denn beim mobilen Surfen möchte ich wissen was/wie/wo aufgeht, aber auch am Desktop hilft es dem Anwender zu wissen, was der Rechner »macht« (Transparenz des Systems)
- dazu ergänzend, ist es für die Benutzer auch von Vorteil die Dateigröße bei Downloads (Link auf PDF) zu kennen, schon oft passiert, dass ich auf ein PDF klickte mit mehr als 10mb und ewig warten musste (speziell beim mobilen Surfen und dann vielleicht auch noch Roaming – da kommt Spaß auf…).

Weiters gehört für mich bei Links auch die klare Auszeichnung von internen versus externen Verweisen zum guten UX-Ton.
Denn der Benutzer sollte informiert werden, wenn er die Seite verlässt – daher eine visuelle Information, bei externen Links.

lg Markus

Dominik vor 3 Jahren

Fun Fact: Ankertexte sind auch für die Suchmaschinenoptimierung wichtig. Seit kurzem zwar längst nicht mehr so extrem relevant wie noch vor einigen Monaten, aber dennoch: Die Wörter, die in einem Ankertext vorkommen sagen etwas über die Zielseite aus.

Und so begab es sich, dass jahrelang (und in einer abgeschwächten Form bis heute) die Adobe-Seite über den Acrobat Reader auf Position 1 für das Keyword »hier« klebte. Ohne dass auf besagter Seite auch nur ein einziges Mal das Wort vorgekommen ist.

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