uxzentrisch erörtert:
Anti-Pattern: Zwei Eingabefelder statt einem

Vorweg eine Erklärung, was es mit dem Begriff Anti-Pattern auf sich hat: Die Idee stammt von Bill Scott, »Director UI Engineering« bei Netflix. In seinem Blog mit dem herrlichen Titel Looks Good, Works Well sammelt er schon seit längerem Beschreibungen von Unarten des Interaktionsdesigns. Wir folgen seinem Beispiel.

Das Thema dieses Posts ist verwandt, aber nicht identisch mit dem letzten Anti-Pattern-Post Unsinnige Fragen stellen.

Wer eine DHL Paketsendung verfolgen möchte, z.B. nach einer Bestellung bei einem Versandhändler, bekommt vom Versender üblicherweise eine Nummer oder eine Zeichenkette, die zum Beispiel als »Paketverfolgunsnummer« bezeichnet wird. Mit dieser Nummer kann der Verlauf der Lieferung dann auf der Website von Post/DHL verfolgt werden.

Um dem Nutzer eine Entscheidungsmöglichkeit zu geben, bietet die Paketverfolgung von DHL dem Nutzer zwei Eingabefelder für die Eingabe der erhaltenen Nummer an.

dhl-sendungsstatus

Damit wird das Verfolgen einer Sendung ein kleines bisschen spannender. Wo mit nur einem Eingabefeld keinerlei Spannung und null User-Involvement entstanden wäre, wird aus dem langweiligen Abfrage-Akt nun ein interessantes Ratespiel mit einer Erfolgs-Chance von theoretischen 50%.

Denn es ist durchaus wahrscheinlich, dass der Nutzer im Unklaren darüber ist, ob seine erhaltene Nummer im Sinne des Formulars eine Sendungsnummer oder eine Referenznummer ist. Denn nicht mal der Versender der Ware muss das wissen. Er bezeichnet sie ja freiheraus als Paketverfolgungsnummer.

Meine Meinung: Entscheidungen, die Maschinen besser treffen können als Menschen, sollten nicht den Menschen auferlegt werden. Ein Eingabefeld muss reichen. Die Frage, um welche Art von Nummer es sich bei der Eingabe handelt, sollte das System klären.

Habt Ihr eine andere Meinung? Kennt Ihr weitere Beispiele?

13 Kommentare

Stefan Rubino Insinga vor 6 Jahren

Mir fallen da spontan Rettungswege ein. Laut einem Artikel in »Gehirn und Geist« hilft es auch dort nur eine Wahlmöglichkeit (in nächster Nähe) zu haben. Zumindest wenn man Chaos weitestgehend vermeiden will.

Norbert vor 6 Jahren

…. und wie wahrscheinlich ist es eine 39stellige License Plate Nummer in einem Textfeld falsch einzugeben – das erinnert mich an registrieren bei der Telekom.

Marian Steinbach Autor vor 6 Jahren

Mensch, Norbert! Freue mich sehr über Deine Anwesenheit hier.

Christopher von Bronsart vor 6 Jahren

interessanterweise gibt es bei http://junecloud.com/ ein widget für’s iphone, bei dem man nur eine nummer eingeben muss…dhl ist da nur ein postdienst unter vielen.

es gibt da auch besipiele zum thema bahnfahren (»zuginfo« etc.). es ist eigentlich erschreckend, dass technisch nichts gegen eine einfache bedienung spricht…

Marian Steinbach Autor vor 6 Jahren

Das wird wohl zum KISD Ehemaligen-Treffern hier ;-)

@Christopher Verstehe ich das richtig, dass man dem dem Junecloud »Delivery Status« Ding nicht mal sagen muss, um welchen Versanddienst es sich handelt? Das wäre krass gedacht.

Wenn ich ein Script bauen müsste, dass die DHL Paketverfolgung als API verfügbar macht, würde ich auch die Eingabe (Paketnummer, Sendungsnummer, Referenznummer oder was auch immer) einfach in beide Eingabefelder eingeben, absenden, die Rückgabe parsen, dann schauen, wo die sinnvolle Antwort zurück gekommen ist und das ausgeben.

Christopher von Bronsart vor 6 Jahren

das wäre natürlich knaller! du musst aber sehr wohl dem widget mitteilen welchen dienst du verwendest, da sind die dienste wohl zu unterschiedlich: amazon benötigt nen passwort, dhl brauch die PLZ etc.

Lutz Westermann vor 6 Jahren

Wenn ich das richtig sehe, bietet DHL auf der normalen Webseite: http://dhl.de links oben ein einzelnes Feld für die Sendungsnummer an.

Es gibt aber auch einen Bereich in dem man nur nach der Referenznummer suchen kann: http://www.dhl.at/publish/at/de/eshipping/track/sref.high.html (dort dann auch mit Datum, die Nummern scheinen also nach einiger Zeit wiederverwendet zu werden).

Diese Referenznummer braucht man natürlich nur, wenn man seine Versandauftragsscheinnummer verbummelt hat. An die Referenzummer kommt man offenbar auch nur, wenn man sie beim Absender erfragt.

Was muss man, von der Startseite ausgehend, eigentlich klicken um zu dem Interface mit den beiden Eingabefeldern zu kommen?

Vielleicht werden ja jede Sekunde paar zig tausend Nummern abgefragt, würde man da für jede Eingabe mehrere Datenbanken abfragen, könnte es vielleicht einen Overhead erzeugen.
Man könnte natürlich eine Reihenfolge vorgeben. Also erst die Sendungsnummer anfragen, wenn das einen Fehler gibt, die Eingabe als Referenznummer abfragen und gucken was passiert (müsste man aber auch nochmal testen, wie oft sich Leute bei der Sendungsnummer vertippen).

Aber das man nicht in Erfahrung bringen kann, wann das Paket wirklich am Bestimmungsort ankommt, finden ich noch viel schlimmer. Mittlerweile müssten alle DHL Wagen einen GPS-Sender dabei haben und ihre Routen mit einem Routenplaner zu planen. Wäre also kein Problem das ganze auch Online abzubilden (zumindest die Ankunftszeit relativ genau anzugeben).

Meine letztes Paket konnte ich auch nur mit einer gewissen Verzögerung verfolgen. Als Kunde will ich ja in der Regel wirklich nur wissen, wann das Paket ankommt, nicht in welcher Umpackstation sich das Ding gerade aufhält… aber das schon wieder ein anderes Thema :)

Marian Steinbach Autor vor 6 Jahren

Hallo Lutz!

Von der Startseite aus muss man folgenden Weg gehen, um an obige Sendungsverfolgung zu kommen.

Im Menü oben auf »Kundenservice« > »Sendungsverfolgung«. Dann in der rechten Spalte auf »Track & Trace für jedermann«.

Das Formular auf der gleichen Seite links (und auf der Homepage) wird sicherlich deutlich häufiger genutzt. Und das hat ja, erfreulicherweise, nur ein Eingabefeld. Stellt sich die Frage, was ansonsten die Unterschiede sind.

Zu Deiner Überlegung in Hinblick auf Datenbank-Abfragen: Sicherlich kostet es Systemressourcen, wenn man statt einer Datenbankabfrage grundsätzlich zwei macht. Vielleicht ist das aber gar nicht nötig. Vielleicht kann man schon am Format der Eingabe erkennen, ob es sich um eine Sendungdnummer, eine Referenznummer oder um nichts von beidem handelt. Und wie Du schon sagst: Vermutlich gibt es eine sinnvolle Reihenfolge, nach der man zunächst das eine prüfen sollte und nur bei Misserfolg das andere.

Wenn immer es darum geht, diesen zusätzlichen »maschinellen« Aufwand zu rechtfertigen sollte man nicht vergessen, dass diese Arbeit im Zweifel, wenn man den Aufwand nicht betreibt, vom Nutzer erledigt werden muss. Letztlich also eine Abwägung von System-Kosten gegen User Experience.

Martin Gude uxzentrisch vor 6 Jahren

Ich nehme an, dass sich die beiden Nummerntypen im Format unterscheiden. Da könnte man dann auch allein durch die Nummernformate mit regulären Ausdrücken überprüfen, welchem »Eingabefeld« die Abfrage zugeordnet werden müsste. Etwas intelligentere Programmierlogik als jetzt wäre da aber in jedem Fall nötig.

David Hellmann vor 6 Jahren

Gutes Beispiel, mir ist auch nicht klar wo die Nummer rein muss und man probiert beide Felder aus. Ich habe dann auch immer angefangen die Zeichen zu zählen ob ich denn genug habe, hehe. Also deutlich einfacher wäre es wirklich mit einem Feld und sucht das ganze doch eh nur eine Datenbank ab nehm ich mal an, so würden es halt zwei sein.

Marian Steinbach Autor vor 6 Jahren

Wer kennt das Problem beim Browser? Man will eine Website suchen und fragt sich, ob man das lieber über einen Suchbegriff im Suchfeld oder über eine Adresseingabe im Adressfeld machen soll?

Die Entwickler von Google Chrome haben erkannt, dass Maschinen ganz gut zwischen URLs und Nicht-URLs unterscheiden können und die beiden Eingabefelder vereint.

Per Add-On gibt es diese Vereinfachung nun auch für Firefox. Vielen Dank an Matthias Zellmer (@zellmi) für den Post!.

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