uxzentrisch erörtert:
Bling Bling Marketing vs. Product Experience

Lindt hat mit seiner Marke »Hello« eine erfolgreiche Schokoladen-Eigenmarke generiert. Die Verpackung ist innovativ und verleiht der Schokolade einen eigenen Charkter. Und die Schokolade ist wirklich gut. Kostet aber auch :)

Wie aber stellt Lindt nun diese Schokolade im Netz vor?

Live your Dream   Lindt HELLO

Das Design der Seite ist mäßig und erreicht definitiv nicht die Designqualität der Verpackung. Mein Favorit der »Hello Reihe« ist die »Crunchy Nougat« Sorte. Draufgeklickt. Was sehe ich?

Live your Dream   Lindt HELLO 2

Einen riesen Marketingbanner (den ich erst beim dritten Hinschauen sehe) und einen Slider für die verschiedenen Aufmachungen der »Crunchy Nougat«. Das hier drei Verpackungsversionen für Crunchy Nougat durchrotiert werden, habe ich erst beim Schreiben des Artikels bemerkt. Die einzelnen Schokoladen haben alle einen Like Button aber bisher keinen Like eingesammelt (Der Like im Screenshot war meiner). Jedenfalls fällt die Userexperience UX der Internetaufmachung stark ab. Der Charakter der Schokolade bzw. der Verpackung ist in der Produktdarstellung überhaupt nicht mehr zu erkennen. Die so schön geschriebenen Texte der Schokolade stehen lieblos in Arial über dem kleinen Productshot. Unten sehe ich ein YouTube Video. Ich schaue mir das Marketing Video auf YouTube an.

Lindt HELLO Crunchy Nougat   YouTube 3

Das Video hat absolut nichts mit der Schokolade zu tun. Die Aufmachung des Videos ist so gewöhnlich und austauschbar und meilenweit weg von dem Eigencharakter der Verpackung. Das Video dreht sich mehr um den Sunny Boy, der scheinbar sowohl Crossmotorrad fahren kann als auch den Schwarzen Gürtel in Karate hat, als um die Crunchy Nougat Schokolade selbst. So ist auch die Reaktion der YouTube Kommentare.

Lindt HELLO Crunchy Nougat   YouTube 4

Die eigentliche Botschaft »Hallo, ich bin eine extrem leckere Schokolade« wird kaum noch transportiert. Das Video, was vermutlich auch im TV und Kino lief hat klägliche 2007 Views. Einen Kaufimpuls wird das bei mir sicherlich nicht auslösen. Auf YouTube sehe ich dann nach dem Ende des Videos einen Video Teaser zum Unboxing der Schokolade. Draufgeklickt.

Das kannte ich noch nicht: Food Unboxing. Das Video ist 4:29 min lang und hat 5095 Views. Die Verpackung und die Schoklade wird in Großaufnahme gezeigt. Kein Sunnyboy, kein Crossmotorrad und kein Karateka. Dafür aber die Verpackung und die Schokolade in Full HD. 4:29 min nichts als das Erlebnis um das Auspacken der Schokolade. Es fehlt mir nur dass mir jemand die Schokolade durch den Bildschirm reicht, damit ich reinbeiße und sie ausprobiere. Das ist echte Produktinszenierung.

Diese kleine Customer Journey zeigt schön die Diskrepanz zwischen altem Marketingdenken und dem Internet. Die Website und das Marketing-Video sind aus einem klassichen Marketingverständniss entstanden. Sie versuchen mit der früher erfolgreichen »Bling Bling« Methoden eine Marketing Botschaft in die Köpfe der Konsumenten zu drücken. Im Internet ist diese alte Denke aber deplaziert und kann ihre Stärken nicht ausspielen. Das usergenerierte Unboxing-Video hingehen erzeugt mit seiner Schlichtheit viel eher eine Neugier auf das Produkt, weil es genau dieses einfach nur präsentiert. Für das Erstellen der Website und des Videos wurde vermutlich ein sechsstelliger Betrag ausgegeben, für das Food Unboxing Video hat Lindt 0,- € ausgegeben.

2 Kommentare

@langgil vor 6 Monaten

Schönes on-the-point Resümee darüber was viele große Marken noch nicht verstanden haben: User Experience & Produkt sind der neue Fokus.
Der Kunde von Heute lässt sich durch die breit gestreuten Markenbotschaften nicht mehr beeinflussen sondern formt sein eigenes Bild mit Hilfe von direkten Sozialen-Einflüssen (Youtube, Facebook und die üblichen Verdächtigen).
Nach dem unboxing hab ich Lust auf Schokolade;)

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