uxzentrisch erörtert:
Branded Interactions – Digitale Markenerlebnisse planen und gestalten

Lehrbuch, Schmöcker, Nachschlagewerk

Dieses Buch riecht gut. Und es ist schön. Marko Spieß tritt mit Ziel an, eine Lücke in der Fachliteratur zu schließen. Während Fachbücher über Marke das Interaction Design vernachlässigen, fehlt in der Literatur über Interaktive Medien das Bewusstsein für Markenkommunikation. Dass beides im Projektgeschäft mit Markenkunden unabdingbar ist, erlebte Marco Spieß als UX Designer und Berater. Trotz seiner Tätigkeit als Geschäftsführer von think moto, einer Berliner Digital-Strategieberatung, fand er die Zeit, uns dieses Buch zu schenken.

Prozess

 

Quelle: Marco Spieß, Branded Interactions, Seite 9

 

Das Buch richtet sich an alle, die sich mit User Experience und Visual Design beschäftigen, sowohl Graphical- als auch Functional Designer, Profis und Einsteiger. Spieß stellt die neue Disziplin des Branded Interaction Designs vor, die sich der Leser Schritt für Schritt, Methode für Methode anlesen kann. Artefakte aus der Praxis, Case Studies und Interviews lockern das Buch auf und machen es interessant für Querleser. Auch als Nachschlagewerk passt das Buch in jede Agentur.

Methoden & Prozesse für das Markenerlebnis

Spieß streift und vertieft eine Vielzahl von Methoden aus diversen Disziplinen und stellt ihre Relevanz für die Entwicklung guter und markengerechter Websites heraus. Der Prozess des Branded Interaction Designs (BIxD) stellt sicher, dass zu jedem Zeitpunkt gute Argumente und Arbeitsgrundlagen vorliegen und eins im Fokus bleibt: die Marke! Die notwendigen Phasen bilden die Struktur des Buches:

Setup

Projekt richtig aufsetzen

Prozesse

Übersicht möglicher Vorgehensweisen

Discover

Business, Marke und Nutzer verstehen

Define

Ziele, Maßnahmen und Strategien zu Markenpositionierung festlegen

Design

Ideen, Konzept und Gestaltung entwickeln

Deliver

Produktion, Styleguides und Qualitätsbewertung

Distribute

Implementierung und Rollout

Im Idealfall durchläuft ein Projekt alle Schritte, da die Ergebnisse immer die Grundlage für darauffolgende Herausforderungen bilden. So entwickeln sich schrittweise messbare Kriterien.

Ein schönes Beispiel ist die Methode Brand Filter. Markenwerte werden in der Define-Phase auf das digitale Markenerlebnis übertragen. Einmal definiert kann der Designer im weiteren Verlauf dieses Tool heraus kramen um die markengerechte Umsetzung zu überprüfen.

Bild Brandfilter

Quelle: Marco Spieß, Branded Interactions, Seite 138

Ein Buch für die Praxis

Als Lehrbuch von vorne bis hinten gelesen verschafft das Buch einen umfassenden Überblick über gängige Methoden im UX Design und der Markenkommunikation. Für  BIxD besonders relevante Methoden werden anhand von Praxisbeispielen schön ausgeführt.

Marko Spieß gibt wertvolle Hinweise für die praktische Arbeit. Die Fokussierung auf den BIxD Prozess und der Anspruch auf Vollständigkeit vermitteln das notwendige Methodenwissen. Die wichtigste Frage muss jedoch der Leser dann selbst beantworten: Was ist das Richtige für mein Projekt?

Hier gibt es klitzekleine Abzüge in der B Note. Leider bleibt im Buch der gängige Fall außen vor, dass ein Projekt nach einem gewonnen Pitch an den Start geht. Hier ist einen Kunden kaum vermittelbar, dass ein Design-Team alle Schritte des BIxD Prozesses sorgfältig durchläuft, die vorher bereits im Schnelldurchlauf bearbeitet wurden.

Aus Sicht des Content Strategen unterschätzt Spieß die Wichtigkeit der Inhalte für ein optimales Markenerlebnis. Hier kommen Methoden zu kurz, die von Beginn an sicher stellen, dass bei Launch Qualitätsinhalte bereit stehen.

Dennoch. Tausend Dank für dieses Buch! Nach dem kurzweiligen Selbststudium dient es als wertvolles Nachschlagewerk und Inspirationsquelle. Der strukturierte BIxD Prozess macht Lust auf das nächste Projekt. Mit BIxD hinterlässt Marco Spieß eine wohlriechende Duftmarke im Agentur-Bücherregal.

Links

http://www.brandedinteractions.de