uxzentrisch erörtert:
Design for Conversion 2009 - Inspiration und Wettkampf in perfekter Harmonie

Am 12.Juni fand zum zweiten Mal die Design for Conversion Konferenz (DfC) in Amsterdam statt. Wir hatten die Gelegenheit teilzunehmen und da die nexum Sponsor war, auch das Meet & Greet am Vortag mitzunehmen.

Was ist die Design for Conversion?

Die DfC ist eine eintätige Mischung aus Konferenz und Workshop. Dieses Jahr wurden fünf verschiedene Fallbeispiele in Teams von je sechs Personen bearbeitet. Zu jedem Fall gab es mehrere Teams, die gegeneinander wetteiferten. Am Ende des Tages wurde innerhalb jedes Falls die beste Idee von einer Jury aus Case Owner, Keynote-Redner und Organisatoren gekürt. Die Gewinner jedes Falls traten dann im großen Finale gegeneinander an, um die beste Idee der Konferenz zu küren.

Betreut wurde jedes Team von einem Team Captain, der dafür sorgte, dass die Schritte Fall-Evaluation, Ideenfindung, Präsentationsentwicklung und schlußendlich die Präsentation in geordneten Bahnen ablief. Während für die Hauptarbeitsschritte je etwa 1-1,5h zu Verfügung standen, musste die Präsentation in drei Minuten gelingen. Vorweg darf angemerkt werden, dass drei Minuten ein offensichtlich sehr dehnbarer Begriff sind, was zu etwas Misstimmung bei den Teams führte, die die Vorgabe exakt eingehalten hatten.

Die fünf zu bearbeitenden Fallbeispiele waren der B2C Web-Shop des Surfartikelherstellers O’Neill der mehr Neoprenanzüge verkaufen will, Die Charity-Community PIF-world die eine kritische Masse an Usern brauchen, die SNS-Bank die ihre Kunden halten wollen, Real Games die ihren Frauenanteil im Casual Gamer Bereich ausdehnen wollen und Eduhub.nl, wo ich leider vergessen habe, was die Aufgabe war.

Dieser Workshopanteil der Konferenz wurde durch insgesamt vier Keynotes begleitet. Die Keynote-Redner waren in chronologischer Reihenfolge: Karl Blanks (Mitgründer von Conversion Rate Experts), Hannah Donovan (Creative Director bei last.fm), Eric Schaffer (Gründer und CEO von Human Factors International) und Paul Hughes (Strategy Director bei Lava Design). Leider sind die Folien der sehr gelungenen Keynotes noch nicht online. Sobald sie es sind, gibt es ein Update.

Den Schluß des Tages bildete dann ein entspanntes Beisammensein mit Speis und Trank, bei dem rege der Tag, die Workshops und die Keynotes diskutiert wurden.

Donnerstag: Meet & Greet

Hier folgt nun mein persönlicher Erlebnisbericht, über zwei Tage Amsterdam und was geschah.
Das Vortreffen am Donnerstag war ausschließlich für die Organisatoren, Vortragenden, Team Captains und die Sponsoren. Da die Design for Conversion sehr stark auf Eigenlesitung aufbaut, war es nur konsequent, dass auch beim Meet & Greet selbst gearbeitet werden musste. Treffpunkt war ein Kochstudio und wir alle durften uns das Essen selber kochen. Ein hervorragende Maßnahme, um alle anderen kennenzulernen und direkt ins Gespräch zu kommen.

Design for Conversion - Selber kochen.

Kochen mit neuen Freunden

Der sehr vergnügliche Abend hatte eine ganz hervorragende User Experience. Wer will schon Schnittchen, die gibt es schließlich immer. Irgendwann gegen Mitternacht waren wir dann im Hotel. Zu lange wollte niemand feiern, da die DfC ja schon um 8:30 Uhr starten sollte.

Freitag: Die Konferenz

Morgens trudelten die etwa 120 Teilnehmer im Loods 6 des KNSM Island recht pünktlich ein, die große Mehrheit aus den Niederlanden. Das pünktliche Eintreffen war aber auch nötig, damit der Wettbewerb/Workshop pünktlich beginnen konnte. Alle wollten offensichtlich soviel Zeit wie möglich konstruktiv verbringen – das war schon morgens zu spüren und motivierte um so mehr.

Teilnehmer der Design for Conversion

Etwa 120 Teilnehmer dieses Jahr

Wir wurden zügig nach der Begrüßung durch Jay de Groot (BackBase) in Teams eingeteilt. Ich wurde dem O’Neill Fall zugeteilt unter unserem adhoc Team Captain Iskander Smit, der spontan einsprang als unser eigentlicher Captain nicht aufzutreiben war. Wie alle Captains hatte Iskander die undankbare Aufgabe nur strukturierend einzugreifen und das Inhaltliche den Teams zu überlassen – eine Auftrennung die überhaupt nicht funktionierte. Die Team Captains diskutierten eifrig mit. Danke dafür, es war perfekt so.

Der Fall O’Neill behandelte den vor einigen Monaten gelaunchte B2C Webshop. O’Neill hat Probleme mit dem Verkauf von Neopren-Anzügen, da diese perfekt passen müssen. Online kann man die Passform jedoch nur schwer ausprobieren, was ein klares Kaufhindernis darstellt. Ziel des Tages war also die Entwicklung von Ideen, um mehr Neopren-Anzüge online zu verkaufen.

Um es kurz zu machen: Unsere Idee hat nicht gewonnen und da man ohne technische Hilfsmittel präsentieren mussten, gibt es auch keine Artefakte die hier gezeigt werden können. Gewonnen hat ein Team (das auch den Tagesgesamtsieg davontrug), dass zwar die längsten drei Minuten für die Präsentation benötigte, aber mit der Idee Test-Anzüge zur Vermaßung an die Kunden zu schicken, auch eine wirklich gute Idee hatte. Gratulation zum Sieg.

Design for Conversion - Ein Team in der Diskussion

Ein Team beim Diskutieren

Bei der Vorstellungsrunde im Team stellten sich die anderen als Analysten / Optimierer oder als Designer vor. Zur Hälfte aus Agenturen und zur anderen Hälfte aus einer holländischen Bank. Die Aufteilung kam Zustande, da bei der Registrierung gebeten wurde sich als Business/Marketing oder Analyst/Optimierer oder als Designer zu definieren. User Experience Designer, Information Architekt oder ähnliches stand leider nicht zum Angebot. Interessanterweise war für alle Teammitglieder aber klar, dass sie etwas mit User Experience zu tun haben. Auf den ersten Blick sehr erfreulich – man zieht an einem Strang.

Auf den zweiten Blick wurde dann deutlich, dass der Begriff User Experience für viele immer noch passgleich mit Usability ist, oder UX dadurch »entsteht«, dass man mit User Centered Design-Methoden arbeitet. Es gilt also weiterhin das Verständis um den Begriff User Experience zu schärfen und das UX mehr ist, als eine Website zu optimieren. Diese Unschärfe beim Verständnis von UX gilt aber nicht direkt meinen Teammitgliedern, sondern war insgesamt unter den Teilnehmern zu spüren.

In ähnlichem Tenor wurde auch später von den Juroren, die das beste Team des Tages küren sollten, Kritik laut: Man wäre enttäuscht darüber gewesen, dass fast nur in den Fällen und den Zielen gearbeitet wurde, aber nie die Fälle, Ziele oder angewandte Methoden (oftmals nur Website-Optimierung) hinterfragt worden seien.

Design for Conversion - Die Jury aus den Keynote-Rednern bei der Bewertung

Eric Schaffer, Karl Blanks und Hannah Donovan in der Jury-Beratung.

Als zentraler Tagungsanteil, war dieser Wettbewerb trotz der Kritik sehr gelungen. Anstatt von einem Vortrag zum nächsten zu hetzen, konnte man sich direkt und eingehend (für eine Konferenz) mit den Ideen und Vorstellungen anderer auseinandersetzen und an einem konkreten Fall abarbeiten. Wesentlich vergnüglicher und lehrreicher als immer nur im dunklen Zuschauerraum zu sitzen und alles auf sich einprasseln zu lassen.

Fazit

Es hat sich sehr gelohnt an der DfC teilzunehmen. Auf einen Tag konzentriert und mit guter Mischung aus Workshop und Vorträgen. Wer mehr möchte als Schnittchen und Monologe, für den ist dieses Format genau richtig. Genau richtig ist es auch, um das Babylon um den Begriff User Experience in den Griff zu bekommen. Bei der nächsten DfC wird man sich sicherlich ein Stückchen näher gekommen sein in der Verwendung von Begrifflichkeiten und den Ansätzen dahinter.

Artikel-Bilder: haijeson

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