uxzentrisch erörtert:
Die Leser von uxzentrisch langweilen sich über diesen Artikel

So oder so ähnlich könnte die Bewertung eines Artikels aussehen, wenn man aus bekannten Mechanismen ausbricht. NBC New York zeigt wie man Emotionen nutzen kann, um eine Bewertung vorzunehmen. Anstatt üblicher Bewertungen anhand von Skalen wie zum Beispiel Sterne oder like/dislike, werden die Nutzer dazu angeregt, ihre Stimmung zu einem bestimmten Artikel auszudrücken.

Mood rating bei NBC New York
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Emotionen lassen sich nicht immer in eine Rangfolge bringen

Ich war sehr angetan von dieser Art der Bewertung, da dadurch ein anderer Bezug des Nutzers zum Artikel entsteht. Man ist nicht gezwungen, das Betrachtete in einer Skala von eins bis fünf Sternen einordnen zu müssen – ein System das laut YouTube ohnehin nicht gut funktioniert – oder zu sagen, das gefällt mir oder gefällt mir nicht. Vielmehr liest man einen Artikel, hört ein Lied oder sieht ein Video und es wird zumeist eine Emotion ausgelöst. Diese lässt sich meist schneller und einfacher definieren, als die Bewertung anhand der beschriebenen Skalen. Habe ich mich gerade gelangweilt? Habe ich mich geärgert? Fand ich das lustig?

Emotionen sind greifbar

Außerdem bietet die Bewertung anhand von Emotionen den Vorteil, dass das Nutzerurteil konkreter wird und somit wiederum auch besser an die anderen Nutzer vermittelt werden kann. Wir haben  nicht mehr nur die am besten bewerteten Artikel, sondern die lustigsten, traurigsten oder ärgerlichsten Artikel.

NBC New York Startseite

Sehr schön nutzt NBC New York die Bewertung, um auf Artikel aufmerksam zu machen. Direkt auf der Startseite unterhalb des Logos bringen sie Aussagen wie »Locals are furious about Sarah Palin and LL Cool J«.  Das lädt sicherlich mehr dazu ein weiterzulesen als wenn dort stehen würde „Locals rated Sarah Palin and LL Cool J 4 stars“.

Ich bin gespannt, ob man diese Art der Bewertung in Zukunft öfters sieht. Was denkt Ihr?

Peter Scheidt vor 4 Jahren

Sehr interessant! Ich denke, es ist wichtig, einen Bezug herzustellen zum Inhalt, der bewertet werden soll. Je besser der Kontext passt, desto sinnvoller die Bewertung – und vor allem desto größer der Mehrwert für andere Leser. Beispielsweise Videos:

- »Bin ich bei eingeschlafen«
- »Habe ich bei gebügelt«
- »Hat mich vom Zappen abgehalten«
- »Hab mir sofort das Video auf Amazon.de bestellt«

Die Herausforderung ist es, eben genau sowas zu erarbeiten und in ein Schema zu pressen, dass Sinn macht. Wird aber vermutlich nicht für jede Art von Content so einfach gehen, vielleicht entziehen sich bestimmte Inhalte einem solchen Vorgehen.

Ich denke da bspw. an Programme, wie sie auf Sourceforge.net gelistet werden. Um hier Bewertungen wie im Beitrag dargestellt zu haben, müssten sie sich auf den jeweiligen Programmzweck beziehen, was die Bewertungen unvergleichbar machen würde. Da passt sowas generisches wie Sternchen ganz gut, finde ich.

Indra Schlachter Autor vor 4 Jahren

»Ich denke, es ist wichtig, einen Bezug herzustellen zum Inhalt, der bewertet werden soll. Je besser der Kontext passt, desto sinnvoller die Bewertung – und vor allem desto größer der Mehrwert für andere Leser.«

Genau so sehe ich das auch. Inhalte, welche sich rational bewerten und auch in Rangfolgen bringen lassen wie z.B. Programme, sind für eine Sterne-Bewertung besser geeignet als Inhalte, welche eher emotional ansprechen wie Nachrichten, Videos oder Bilder. Ich denke auch, dass diese Art der Bewertung eher eine Ergänzung zu den bekannten Schemata sein wird und im geeigneten Kontext zum Einsatz kommt. Dann bringt sie dem Nutzer sicherlich einen Mehrwert als wenn man einfach nur sagt: »Lass uns hier Sterne nehmen«.

soccerhero vor 4 Jahren

Diese Art der Bewertung ist schon eine lustige Sache. Allerdings wird die Herausforderung sein, für jeden Inhalt, für jeden Artikel, für jedes Video allgemeingültige Bewertungsraster zu finden.

So weiss ich nicht, ob man bei einem Artikel mit der Headline «Papst gestorben» Bewertungen wie «phänomenal!» oder «langweilt mich» anbieten sollte. Da sind solche «neutrale» Wertungskategorien wie «gefällt mir/gefällt mir nicht» oder das Notensystem 1 bis 6 für verschiedene Inhalte besser geeignet.

Konstantin Weiss uxzentrisch vor 4 Jahren

Bei Facebook merke ich, dass die Aussage/Funktion »gefällt mir« nicht immer richtig zum Kontext passt. Wenn einem etwas Ärgerliches passiert ist, möchte ich vielleicht sagen »gut, dass Du den Ärger mit uns/mir teilst« – aber es gefällt mir genauso wenig wie dem Autor. Hier werden wir also immer wieder Fingerspitzengefühl beweisen müssen, wenn wir Gefühlsregungen abfragen.

Tamim vor 4 Jahren

Wird sich nicht durchsetzen. YouTube ist nicht umsonst auf Thumbs Up and Down umgesprungen. Das Internet ist zu schnell für solche Sachen.

Peter Scheidt vor 4 Jahren

@soccerhero: Hm, der Einwand ist sicherlich berechtigt, doch ich finde es überlegenswert, das Bewertungssystem von NBC New York auch für solche Fälle mal durchzudenken. Wenn einer Atheist ist, dann kann es schon sein, dass ihn die Nachricht langweilt. Andere Leser können damit mehr anfangen als mit einem Stern von zehn, denn es ist aussagekräftiger. Ein Stern von zehn könnte auch heißen, dass man den Artikel schlecht geschrieben oder dass man den Autor doof findet oder oder oder.

Letztlich braucht es ein bißchen Mut auf der Seite des Anbieters, die Meinung seiner Leser Ernst zu nehmen und damit auch den Dialog mit ihnen auf eine neue Stufe zu heben. Und genau so sicher passt das nicht in das (Selbst-)Bild von jeder Medienmarke.

Ein anderer, genereller Aspekt von Bewertungen ist aus meiner Sicht noch, dass im Fall von journalistischen Artikeln ein Ratingsystem für die Arbeit und Produkte von einzelnen Menschen eingeführt wird. Das ist insbesondere im Fall von lokalen Portalen wie NBC New York ein Thema, die ja kaum Material von Nachrichtenagenturen verwenden können. Da kann der Chefredakteur sehr einfach rausfinden, wie gut ein Mitarbeiter »verkauft« und in die Versuchung geraten, daraus eigenwillige Konsequenzen zu ziehen. Da braucht es dann eine gefestigte Mitarbeitervertretung – oder einen entsprechend souveränen Chef :-)

Marian Steinbach uxzentrisch vor 4 Jahren

@Tamim: Ohne jetzt genau zu wissen, wie Du das meinst: Ich finde es interessant, dass Du Youtube erwähnst. Tatsächlich finde ich, dass sie mit ihrem »mag ich« / »mag ich nicht« System jetzt deutlich näher an dem hier beschriebenen Prinzip der emotionalen Selbstoffenbarung sind, als mit dem früheren Sterne-System.

Tamim vor 4 Jahren

@Marian. Was ich meine ist dass ich nicht bereit bin für einen Artikel, den ich meist nicht ganz lese und auch noch seltener bewerte jetzt auch noch die Bewertungstabelle jedes mal neu zu lesen etc. Das Internet ist schnell. Daher Thumbs Up oder Thumbs down. Am liebsten auch ohne nervige Anmeldung bei der Website. Wer mehr sagen will sollte eine Kommentarfunktion bekommen. Auch da am liebsten ohne ein Anmeldung bei der Website.

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