uxzentrisch erörtert:
Discount Usability-Testing mit Steve Krug – Von Neuling zu Fan in vier Schritten

Dieser Artikel führt euch in vier Schritten zum Raketendoktor und Krug-Fan. – Auf dass ihr morgen beginnt eure Website oder Webapplikation mit Discout Usability-Tests zu verbessern.

making a point

Steve Krug ist ein hervorragender Autor. Seine Bücher sind präzise, eingänglich, gut anzuwenden und dabei noch dünn und sehr nett geschrieben. Das gilt sowohl für sein erstes Buch »Don't Make Me Think« als auch für dessen Nachfolger »Rocket Surgery Made Easy«. Während Krug im ersten Buch Usability- und Webprobleme in der Breite betrachtet, stellt der Folgeband eine direkt umsetzbare Anleitung für Discout Usability-Tests dar – und genau dafür möchte ich euch in diesem Artikel begeistern.

Schritt 1: Begeistern

Wenn ihr noch nicht überzeugt seid, ob Steve Krug euch etwas zu sagen hat, schaut euch diesen Vortrag von 2008 an. In einer Stunde erklärt Steve nicht nur anschaulich, wie unglaublich es ist, dass viele Firmen immer noch nicht aktiv daran arbeiten die Usability-Mängel ihrer Produkte zu beheben, er stellt euch die Kern-Thesen seines Buchs vor und – besonders beeindruckend – führt live einen Usabilitytest durch.

Übrigens: Auch Ryan Singer von 37signals empfiehlt dieses Video: I can’t think of a better intro to the essential points of usability than this presentation…

Schritt 2: Lesen

Im Vergleich zum Video mag das eigentliche Lesen des Buches auf den ersten Blick unspannender erscheinen – Aber es sind nur 140 Seiten, die sich sich sowohl in Englisch als auch in Deutsch sehr gut lesen… Und wie gesagt: Krug schreibt sehr nett :)

In jedem Fall solltet ihr in Kapitel 2 Steves Bitte folgen, das Lesen unterbrechen und euch sein Demo-Video (Download) anschauen:

Schritt 3: Loslegen

Spätestens nach der Buchlektüre dürftet ihr das Gefühl haben »Das kann ich auch!«. Das ist gut, denn jetzt heißt es loslegen und Praxiserfahrung sammeln. Die ersten Tests, die ihr macht, werden unpräzise und etwas unsauber sein. Bedenkt das bei eurer Auswertung, lasst euch aber nicht davon abschrecken.

Eine Hürde gilt es aber zu nehmen: Die Dokumente sind alle in Englisch. Dank uxzentrisch muss euch aber auch das nicht abhalten: Wir haben den Testleitfaden ins Deutsche übersetzt.

Eine Geschichte aus der Praxis: Ende 2009 war meine Pfadfinder-Ehemaligen-Community StayScout gerade in die Betaphase gestartet. Ich bin ehrenamtlich neben dem Produkt Management besonders für das Konzept verantwortlich. In dieser Zeit habe ich mehrere Usability-Tests im Krug-Stil durchgeführt. Mein Testleitfaden sah dabei sehr einfach aus: Ich wollte herausfinden, wie Pfadfinder sich zurecht finden, die die Plattform noch nicht kennen. Sowohl auf der öffentlichen Seite (verstehen sie, worum es geht?) als nach der Anmeldung. Meine Vorbereitungszeit war daher minimal – insbesondere, weil ich zuerst einmal Pfadfinder aus meinem direktem Umfeld angesprochen habe, die zur Zielgruppe passen. Das Ergebnis war für mich aber unbezahlbar wertvoll. Es hat mich beispielsweise darin bestätigt, dass unsere öffentliche Startseite zu dieser Zeit schon gut erklärte, worum es geht, dass aber die Usability des Registrieren/Anmelden-Formulars schlecht war. Wir haben dann in schnellen, kleinen Schritten an diesem Thema gearbeitet. Augenöffnend war für mich auch, daran erinnert zu werden, wie betriebsblind man wird: Mehrere Nutzer wollte auf der Startseite ihren Pfadfinder-Stamm suchen. Also klicken sie in das nächstbeste Suchfeld und geben den Stammesnamen ein. Dass sie dabei den Titel des Suchfelds »Freunde finden« (oder »Mitglieder-Suche«) übersehen, bin ich schon von anderen Usability-Tests gewöhnt. Dass aber meine Suchergebnisseite überhaupt keine Hilfe bot, um diesen Fehlerfall abzufangen, hatte ich nicht mehr im Blick. Noch nicht mal die Überschrift »Freunde finden« fand sich auf der Suchergebnisseite wieder. Ein weiteres Problem, dass sich schnell und unkompliziert lösen ließ.
Fazit: Es sind genau solche qualitativen Erfahrungen, die eine Webseite stark verbessern und die man am schnellsten und unkompliziertesten über kurze Usabilty Tests erlebt.

Schritt 4: Weitere Links

Glückwunsch, nach dem Schauen, Lesen und Ausprobieren dürftet ihr vom großen Potential kurzer, qualitativer Usability Tests überzeugt sein. Hier sind noch ein paar Link-Empfehlungen, die euch nach euren ersten Tests helfen, noch besser zu werden und die Botschaft zu verbreiten:

Ich hoffe, diese Videos und Links haben euch motiviert und inspiriert.

Bitte teilt eure Erfahrunge, Meinunge und Link-Empfehlungen in den Kommentaren. – Danke

PS: Die Amazon-Links unterstützen greenanysite.com

3 Kommentare

Melanie vor 4 Jahren

Toller Beitrag, vielen Dank für die umfassenden Infos! Habe direkt Lust bekommen bei meinem nächsten Projekt einen Discout Usability Test durchzuführen.

Bernhard vor 4 Jahren

Super Zusammenfassung der wichtigsten Punkte der Discount Usability-Testing Idee – eigentlich gibt es ja wirklich keinen Grund mehr, Usability-Testing nicht durchzuführen. Trotzdem zögern viele Unternehmen und ich frage mich warum?

Liegt es an der Selbsteinschätzung von Entwicklern und Designern (»Ich weiss schon, was das richtige ist…«), an der Verhinderung von Transparenz (»Wenn wir es nicht testen, kann auch niemand sagen, dass es schlecht ist….«) oder an ganz anderen Gründen?

Meine Erfahrung ist, wenn man mal einen Usability-Test (Egal ob selbstgemacht, im Labor oder mit anderen Lösungen) und man den Nutzen selbst erlebt hat, man nicht mehr ohne diese Methode arbeiten. Nur der erste Einstieg, benötigt Überzeugungsarbeit, die neben den Kosten auch noch andere Punkte adressieren addressieren muss.

Tobias Jordans Autor vor 4 Jahren

@Bernhard: Meiner Erfahrung nach ist eine zentrale Hürde in Agenturprojekten der Projektplan. Testing greibt extrem in den Projektplan ein und muss daher sehr früh sehr gut berücksichtigt werden. Eine Lösung wie dein http://www.userfeedbackhq.com/ macht dies etwas einfacher, weil Kosten und Zeitaufwand geringer – das grundsätzliche Problem bleibt aber bestehen.