uxzentrisch erörtert:
Diskettensymbol für Speichern - noch zeitgemäß?

Als ich neulich in MindManager eine Mindmap speichern wollte, sprang mir eine Diskette ins Auge. Mein Kollege Mirko hatte mich schon vor einiger Zeit auf das Disketten-Speichern-Symbol angesprochen: Ist dieses Icon noch zeitgemäß? Wissen unsere Kinder eigentlich noch was eine Diskette ist?

MindManager steht da als Applikation nicht alleine. Auch in Microsoft Office 2010 ist die Diskette das Symbol für das Speichern. Ein Datenträger, dessen Ende 1998 mit der Einführung des iMac begann.

Apple selber setzt das Symbol konsequenter Weise nicht mehr ein. Man hat sich vielmehr vorgenommen durch Autosave das manuelle Speichern obsolet zu machen. Über das Menü oder das Tastaturkürzel CMD+S ist die die Funktion aber immer noch ausführbar.

Meiner Meinung nach ist das Disketten-Symbol längst überholt. Es sollte daher nicht mehr eingesetzt werden. Das Speichern hat nichts mehr mit der Diskette zu tun. Wir speichern auf Festplatten, in der Cloud oder manchmal noch auf USB-Sticks. Aber kaum ein Mensch speichert noch auf Disketten.

Was ist eure Meinung? Nutzt ihr die Diskette noch in euren Interface Designs? Oder fallen euch vielleicht noch andere Symbole ein, die veraltet sind?

16 Kommentare

Dominik vor 3 Jahren

So gesehen ist es auch die Frage, wann das universelle Symbol für Ideen, die Glühbirne, durch eine stilisierte Energiesparlampe ersetzt wird.

Tamim Swaid Autor vor 3 Jahren

Die Energiesparlampe ist bei Apple schon im Einsatz:

http://geekyninja.com/wp-content/uploads/2012/02/systempreferences.jpg

Ich würde aber direkt zur Leuchtdiode übergehen. Wirkt natürlich in diesem Fall noch moderner.

Christoph Stark vor 3 Jahren

=) begeistert – super Denkanstoß!

Jens vor 3 Jahren

Welches Icon schlägst du denn als Alternative vor, so dass die User das Symbol direkt erkennen?

Tastenkürzel und Menüeinträge sind als Zusatz schön und sinnvoll, aber bisher ist mir noch keine überzeugende Alternative zu dem »visuellen Indikator«, dem Symbol in der Toolbar, unter gekommen.

Jens

Olli vor 3 Jahren

Eine schöne Sammlung ähnlicher Beispiele gibt`s hier:

http://www.hanselman.com/blog/TheFloppyDiskMeansSave

Wählscheiben, Dampfloks, Polaroids, Fernsehantennen
Ich fühle mich plötzlich so alt!

Wäre mal ein schönes UXcgn-Thema…

Tamim Swaid Autor vor 3 Jahren

Alternativen lassen sich finden. Wie z.B. das
Dokument mit Pfeil nach unten.

Aber keine der Alternativen wird man direkt erkennen. Keines ist so verbreitet wie das Disketten-Icon. Daher würde ich generell versuchen auf das Icon zu verzichten. Wenn es nicht anders geht dann ein Alternatives Icon, jedoch eines mit Label.

Indra vor 3 Jahren

Genau an den Link habe ich auch gedacht. Die meisten Symbole sind nicht mehr zeitgemäß, aber gelernt. M.E. werden sogar bewusst »veraltete« Symbole genommen, da sie klar erkennbar sind. Auch werden bewusst Symbole aus analogen Welten genommen. Ein neues Dokument wird mit der Stilisierung eines Papiers symbolisiert. Auch wenn nie ein Dokument draus wird, sondern nur ein Tweet abgesetzt wird oder eine Mail geschrieben. Eine E-Mail ist selten in einem Briefumschlag, aber trotzdem ist das Symbol sehr eindeutig.
Ich bin da weniger für Logik oder Realitäts-Nähe sonder eher für Verständnis, Intuition und Nachvollziehbarkeit.
Aber genau darum finde ich, dass man auch anfangen muss, über einen Austausch nachzudenken. Wenn die Generationen kommen, die Floppy Disks nicht mehr kennen, dann ist das mit der Verständlichkeit auch irgendwann dahin.

Finn vor 3 Jahren

Finde den Ansatz von Apple da viel interessanter als über ein neues Symbol zu diskutieren – wozu überhaupt noch »speichern«? Warum mussten wir jemals speichern? Wieso passiert das nicht automatisch?

Bei Google Docs ist es mir zum ersten Mal richtig aufgefallen, seitdem stelle ich mir diese Fragen…

Tamim Swaid Autor vor 3 Jahren

Das für mich verständlichste ist hier immer noch die »Timeline«. Ein Dokument entwickelt sich. Genau das würde ich gerne abgebildet sehen. A la etherpad. Dies war für mich vom ersten Benutzen an sehr verständlich.

Die aktuelle Lösung von Apple sagt mir noch nicht zu. Ich muss ehrlich zugeben: Ich habe sie noch nicht verstanden. Dokumente werden irgendwann geschützt und man muss den Schutz aufheben um sie bearbeiten zu können oder die Dokumente duplizieren. Warum das Dokument geschützt wurde und warum ich es duplizieren muss kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Tobias Jordans uxzentrisch vor 3 Jahren

Dieser Artikel geht das Thema IMO schön an: http://uxaddict.com/2011/12/changing-the-floppy-disk-icon-for-the-save-action/ – Wie Finn sagt, das Icon ist nicht das unzeitgemäße, sondern das Interaktionskonzept an sich.

Tobias Jordans uxzentrisch vor 3 Jahren

Zur Icon Frage:
Warum ist eine offene, blaue Box der Dropbox-Folder? Warum ein Briefumschlag eine E-Mail? Die »Mein Kind kennt keine Disketten«-Argumentation gilt genauso für Briefe – wenn nicht jetzt, dann in ein paar Jahren.
Will heißen: Icons müssen gelernt werden – immer! Solange sie konsistent verwendet werden, ist das aber kein Problem und passiert automatisch. Kinder lernen also in kürzester Zeit das abstrakte Konzept des Speicherns mit diesem Quadrat mit Weiß und Silver zu assoziieren – nicht mehr, und nicht weniger ist nötig.

Für meine Interfaces bedeutet das: Wo immer möglich, gehe ich Icons aus dem Weg. Denn ich arbeite sehr selten an Apps, die so häufig von Usern verwendet werden, dass sie ein Iconsystem effektiv lernen und daraus Nutzen ziehen können.

DerZyklop vor 3 Jahren

Für die Generationen die mit Disketten was anfangen können passt das jetzt so. Die nächsten Generationen werden sich das manuelle Speichern abgewöhnen.
Dabei denke ich, ich werde es vermissen – ist ja auch ein schönes Gefühl etwas mit einem finalen Klick abzuschließen. Aber vielleicht sind das auch schon die ersten alterserscheinungen, die vergleichbar sind mit dem vermissen des Papiers, wenn die Generation über mir ein iPad in der Hand hält :)

Das letzte Argument kann ich allersings nicht nachvollziehen. Wenn ich ein icon-System einsetze, bringe ich dem User im Idealfall ja nichts neues bei. Ich nutze weitestgehend die Icons, von denen ich ausgehe, dass der User sie schon kennt. Alle meine Button zu beschriften ist für den User problematischer, als sich ggf. bei ein bis zwei icons kurz Gedanken darüber zu machen für was die nun stehen.

Maikel vor 3 Jahren

Zum Apple-Ansatz (den ich mangels Apple nicht aus der Praxis kenne), alles automatisch zu speichern: Die Alternative zum expliziten Speichern ist das Verwerfen. Wenn man sich vertan hat, und die aktuellen Änderungen eben nicht gespeichert werden sollen.

Zum Argument, Icons muß man eben lernen: Dann könnte man auch das Bild eines Breitmaulfrosches zum Speichern-Icon erklären, eine Wasserlilie steht dann z.B. für Datei Öffnen. Es war zumindest mal ein wichtiges Argument für Icons, daß sich deren Bedeutung intuitiv aus dem Dargestellten ergibt.

Ich bin eh kein Freund von Icons. Sie haben oft viel zu viel Bildinhalt, und oft viel zu viel gleiche Basisgrafik, so daß die Unterschiede schlecht zu erkennen sind.
Es gibt grafische Sachverhalte, die man gut mit Icons darstellen kann, z.B. Fett, Italic, Unter- oder Durchgestrichen, Absatzformatierung usw.
Aber bei abstrakten Vorgängen wie Speichern usw. sind sie fehl am Platz. Das Disketten-Symbol z.B. war noch nie eindeutig, denn von einer Diskette kann man genausogut eine Datei laden.
Wie wäre es z.B. mit einem knackigen »Sv« für Save. Kann man genauso lernen. Braucht nicht mehr Platz.

Die Icons für Neue Datei, Datei Öffnen und Speichern sind ein typisches Beispiel dafür, daß es weniger auf den Bildinhalt, sondern mehr auf die Anordnung ankommt. Wenn diese Buttons mal vertauscht wären, würden wohl viele Benutzer ein Problem bekommen, trotz »eindeutigen« Icons.

Oliver vor 3 Jahren

Jetzt muss ich doch mal die Lanze für das Diskettensymbol brechen. Oder zumindest ergänzend zu den obigen Argumenten und Punkten.

Speichern nicht nur bei Dokumenten
Hier diskutiert ihr sehr stark aus einer Dokumenten-Sicht heraus. Speichern gibt es aber auch in anderen Kontexten:
Eine Suche speichern, eine Webseite lokal archivieren, generell die »lokale Kopie« von etwas. Ja, es ist teilweise in der Nähe von Bookmarking, aber eben nicht ganz.

Konzept des Speicherns / Disk Symbole
Aufgrund der mangelnden Festplatten, war das Speichermedium der Wahl im Consumer-Bereich die Diskette. Auch als Disketten mitte der 90er (bald 20 Jahre her!) aus der Mode kamen, wurde das Icon nicht auf die CD, Festplatte etc. geändert. Wieso? Weil es sich eingebürgert hat.

Ja, regelmäßiges Speichern war mal Pflicht, wird nun durch iclouded Textedits (z.B.) und GoogDocs quasi abgeschafft, aber es ist immernoch eine tiefe Gewohnheit und auch eine psychologische Absicherung, weil ich mir damit die Sorge vor dem Verlust nehme. Ganz weg bekommt die unsrige Generation das nicht. Aber die Generation vor uns, die teilweise erschreckend offlinesüchtig und computeravers sind, können gerade mal das Konzept des Speicherns begreifen.

Dieser große Teil der Menschheit, die immernoch nicht angeschlossen sind, und das untere Ende des Digital Divides darstellen, wird es zwar immer geben, aber deren Anteil muss durch abholen und integrieren minimiert werden. Gehen wir aber hin und schaffen das Disk-Symbol komplett ab, verlieren die dort den Anschluss. Bzw, beides muss es geben: die allgegenwärte Cloudspeicherung sowie das manuelle speichern.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin für Fortschritt. Überall, schnell, in kurzen Abständen, und etwas kompromissloser als der Durchschnitt. Dennoch sollte es einen Legacy Mode geben, solange er den Fortschritt nicht aufhält.

Außerdem:
Wer freut sich denn nicht auf die Frage seines Kindes: »Wieso sieht das Speichern Symbol so komisch aus? Was ist das?«

Tamim Swaid Autor vor 11 Monaten

Ein schöner Ansatz für das Speichern-Symbol: http://oceancohen.tumblr.com/post/47390713866/rethinking-the-save-symbol

Das einzige Icon, das mir nicht gefällt ist das »Neu« – Ein Plus in der Mitte würde hier aber helfen. Danke an David Hellmann für den Tip!

Indra vor 11 Monaten

Ich finde den Tumblr-Post interessant und die Gedanken dahinter gefallen mir gut.
Allerdings gefallen mir die Icons nicht. Neben dem »New« mag ich auch Load und Save nicht, einfach weil ich die Pfeile nicht schön finde und »Works in small scale.« würde ich für die mit den Pfeilen auch nicht sofort unterschreiben.