uxzentrisch erörtert:
Don't Make Me Think About Shopsuche

Das ist wieder einer dieser Nörgel-Artikel. Aber ich bemühe mich, auch positive Schlüsse aus meiner Nörgeleien zu ziehen. Versprochen.

Dass Mehr nicht immer Mehr ist, haben wir schon in den Anti-Pattern-Artikeln Zwei Eingabefelder statt einem und Unsinnige Fragen stellen angemerkt. Die Shopsuche des Schuh-Versenders Zalando ist ein Beispiel für das »Unsinnige Fragen stellen« Anti-Pattern, das eine nähere Betrachtung verdient hat.

Nutzer werden hier mit einem Drop-Down-Feld vor die Wahl gestellt, in welcher Shop-Kategorie sie nach einem bestimmten Suchbegriff suchen wollen. Die vorgegebene Option lautet »Alle Kategorien«.

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Mit großer Wahrscheinlichkeit will Nutzer hier wissen, welche Optionen denn noch zur Auswahl stehen und öffnet das Drop-Down-Feld.

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Aha. Damenschuhe, Herrenschuhe und Taschen/Accessoires.

Warum dieses Auswahlfeld? Es dürfte zwar stimmen, dass die meisten Nutzer sich bei einem Einkauf nur für eine der drei Kategorien interessieren. Warum aber müssen sich alle Nutzer immer mit dieser Frage beschäftigen? Und was passiert, wenn sie sich damit beschäftigen? Sie könnten zum Beispiel auf den Gedanken kommen, dass »converse chucks« eigentlich Unisex-Produkte sind und weder bei Damenschuhen, noch bei Herrenschuhen so richtig gut untergebracht sind.

Was wäre, wenn dieses Auswahlfeld gar nicht da wäre? Dann müsste sich die Suche genau so verhalten, als wäre die Option »Alle Kategorien« ausgewählt. Mit dem Unterschied, dass Nutzer nicht darüber nachdenken müssten und direkt ihre Suchbegriffe in das Suchfeld eingeben könnten.

Je nachdem, welchen Suchbegriff der Nutzer verwendet, ist die Kategorienfrage ohnehin implizit beantwortet. »high heels«, »ballerinas«, »pumps« und »peeptoes« zum Beispiel gibt es eh nur in der Damenabteilung.

Für Suchergebnisse, die Produkte aus mehreren Kategorien enthalten, zeigt Zalando ja sogar Filter zur Einschränkung des Ergebnisses an (»Faceted Search« oder »After Search Navigation« genannt).

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Eine Frage weniger an den Nutzer und ein Eingabefeld weniger könnte aus einer relativ einfachen eine sehr einfache Angelegenheit machen. Bei Zappos, dem amerikanischen Vorbild, kann man sich ansehen, wie das funktioniert. Und dort gibt es seit neustem deutlich mehr als nur drei Produktkategorien.

Mehr zum Thema bei uxzentrisch.de:

Noch eine Erklärung für den merkwürdigen Titel des Beitrags: dieser Text ist inspiriert von Steven Krugs Klassiker Don’t Make Me Think – dem bisher unterhaltsamsten Buch über Web Usability (deutschsprachiges Beispiel-Kapitel als PDF).

8 Kommentare

Peter Scheidt vor 6 Jahren

Dafür kann Zappos nicht mit 0-Treffer-Ergebnislisten umgehen – ich habe mal nach Test gesucht, das Ergebnis ist ernüchtern :-)

Marian Steinbach Autor vor 6 Jahren

Tatsächlich. Vor ein paar Wochen, als ich für den Null-Treffer-Suche-Artikel recherchiert habe, sah das bei Zappos noch besser aus.

UPDATE: Es scheint, als hätte die Suche nur beim Suchbegriff »test« ein Problem. Die Suche nach sdfjdkl liefert die gewohnte Hilfestellung.

Michael vor 6 Jahren

So unsinnig wie du schreibst ist die Auswahl nicht. Stell dir mal vor du gehst zu Deichmann und es gibt keine Damen- und Herrenabteilung. Da würden die sicher weniger verkaufen.

Wenn ich z.B. nach adidas Schuhen suche, will ich nur die, die für Herren sind. Warum soll ich das nicht gleich bei der Suchanfrage mit angeben können.

Was hier meiner Ansicht eher das Problem ist, dass man die Unterscheidung Herren/Damen als Kategorien bezeichnet. Die meisten Besucher werden das wohl nicht in diesem Drop-Down-Feld so vermuten.

Auch muss nicht alles immer Google-Like mit einem einzigen Feld sein. Wir sollten uns auch mal daran wagen, mehr Eingabefelder zu verwenden und damit wirklich bessere Resultate zu erzielen. Denn wie gut eine Suche bewertet wird hängt nicht nur von den Eingabefeldern ab sondern auch von den Ergebnissen.

Lutz Schmitt uxzentrisch vor 6 Jahren

Suchen mit vielen Feldern hatten wir früher schon mal. Die Google-Lösung nur ein Feld zu nutzen hat sich nicht ohne Grund so stark verbreitet – sie funktioniert. Aber mittlerweile ist der Suchprozess ja etwas komplexer geworden. Eine einmalige Eingabe, egal wie komplex, wird heute kaum zum Ziel führen. Eine mehrstufige Suche ist dem Datenvolumen wesentlich besser gewachsen.

Viel wichtiger ist es also, was nach der ersten Sucheingabe passiert. Anstatt von Anfang an der Nutzerin detaillierte Mutmaßungen über sinnvolle Suchbegriffe/Eingrenzungen machen zu lassen, ist die anschließende Eingrenzung über Facetted Search-Filter doch vielleicht hilfreicher. So kann die Nutzerin direkt sehen, welche Möglichkeiten sich ihr bieten.

Meiner Ansicht nach geht es bei einer Suche heute darum, dass die Nutzerin Treffer bekommt und ihr dann assistiert wird, das Richtige zu finden – anstatt sie blind raten zu lassen.

Auch im Sinne von Upselling und Cross-Selling. Vielleicht findet man mit einer Facetted Search nicht das, was man eigentlich wollte (weil es nicht angeboten wird), aber ein anderes adäquates oder gar besseres Produkt.

Michael vor 6 Jahren

Facetted Search ist sicher ein sehr guter Weg für bessere Resultate, der sogar gleich von Anfang an verwendet werden könnte. Man muss das ganze ja nicht gleich als Suche anbieten, das kann ja auch die Form einer Navigation haben. Shops, die das gut machen gibt es.

Die Google Suchbox funktioniert deshalb so gut, weil Google einen sehr guten Algorithmus (sogar einen Chief Algorithm Officer) hat. Das kann sich nicht jede Webseite leisten, daher muss man da manchmal etwas anders bauen.

Wer sich schon mal das Suchframework Lucene angesehen hat, der weiß, dass vieles am Suchindex liegt. Und der ist sehr abhängig von der Suchdomäne, in der man sich befindet.

Beispiel Adidas Schuhe: Wirft man den Markennamen zusammen mit dem Titel in ein Feld oder macht man dafür ein eigenes Feld im Suchindex und sucht dann bei der Eingabe in ein Suchfeld trotzdem in Titel und Marke und wertet Marke höher.

Was ich damit sagen will ist, dass die Entscheidung ob einfaches Feld oder zusätzliche Filter schon am Anfang nicht ohne die Suchmaschine im Hintergrund gefällt werden können. Daher ist es für Außenstehende nur schwer einzuschätzen, ob die Oberfläche gut ist. Wichtig sind die Ergebnisse, die man erhält.

Ramon vor 5 Jahren

Ich glaube es gibt 2 Hauptschwierigkeiten:

1. Effiziente und kluge Algorithmen für nur eun Suchfeld sind komplex und teuer.

2. Es gibt sehr viele Besucher, die mit mehr als einem Suchfeld überfordert sind. Hier ist es wichtig beide Gruppen bedienen zu können. Ich sehe da nur den google-Weg »erweiterte Suche«. Dies bedeut jedoch einen weiteren Klick. Und schon kann der Besucher wieder weg sein.

machIT vor 5 Jahren

Die Suche ist eines der wichtigsten Instrumente einer Website – wie Ramon schon sagt ist es sicherlich nicht gleich ersichtlich für Besucher wenn es mehrere Suchfelder gibt deswegen bin ich der Meinung eine Livesearch welche direkt Ergebnisse liefert ist aktuell sehr Empfehlenswert.

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