uxzentrisch erörtert:
Drei Modelle der Informationserkundung

Personen gehen recht unterschiedlich bei der Erkundung von Informationen vor. Einmal kann der Nutzer konkrete Vorstellungen haben, wonach er sucht. Ein anderes Mal hat er nur eine vage Vorstellung, was er eigentlich benötigt.

Gary Marchionini von der University of North Carolina hat sich mit diesem Thema genauer beschäftigt und versuchte im Buch Information Seeking in Electronic Environments die verschiedenen Vorgehensweisen der Informationserkundung  zu kategorisieren. Dabei entwickelte er drei Modelle.

Für die Konzeption können die Modelle in der Szenario-Entwicklung hilfreich sein und Auswirkungen auf die Konzeption der Informations-Architektur und die Auswahl verschiedener Navigationsformen haben.

Im Folgenden möchte ich die drei Modelle kurz vorstellen und zeige anhand einiger Beispiele, wie Webseiten versuchen die jeweiligen Modelle aufzufangen.

Directed Browsing

Von »Direct Browsing« spricht Marchionini, wenn der Nutzer genau weiß, was er sucht und welchen Weg er gehen muss, um es zu finden.

Beispiel anhand dasoertliche.de

Ein Nutzer sucht die Telefonnummer einer bestimmten Person. Dazu kann er sich einer Systematik wie zum Beispiel einer alphabetischen Reihenfolge von zuerst Nachnamen und dann Vornamen bedienen.

Dasoertliche.de bietet neben der Eingabe von Name und Ort die Möglichkeit, das Ergebnis weiter anhand klarer Kategorien und Auswahlmöglichkeiten bspw. nach Stadtteilen oder Branchen zu filtern.

Undirected Browsing

Dieser Erkundungs-Modus impliziert, dass es kein konkretes Ziel und nur einen schwachen Fokus gibt, wie bei einem Durchblättern eines Magazins oder beim durchzappen im TV.

Beispiel anhand zeit.de

Ein Nutzer möchte sich allgemein über das aktuelle Weltgeschehen informieren und klickt sich unstrukturiert durch die Nachrichten . Zufällige Treffer können für den Nutzer hoch interessant sein.

Die Zeit listet auf ihrer Startseite mit Bildern und Texten Artikel aus allen Rubriken auf. Unter jeder Meldung finden sich jeweils drei ähnliche Artikel. Auf der rechten Spalte finden sich eine Liste mit meistgelesenen und meist kommentierten Artikeln, sowie Videos. Der Nutzer wird so schon auf der Startseite mit Schlagzeilen und Bildern zum explorativen navigieren unterstützt.

Innerhalb eines Artikels werden am Ende ähnliche Artikel angeteasert. In den In den Artikeln selber finden sich Links, um sich mehr über ein angesprochenes Thema zu informieren. Und tags führen zu einer Suche mit Artikeln, die ebenfalls diese tags besitzen.

 

Semi Directed Browsing

Semi Direct Browsing trifft vor allem beim Suchmaschinensucher auf. Zwar wissen sie grob nach was sie suchen, kennen den genauen Weg jedoch nicht. Dies liegt daran, dass der Suchende seine Vorstellungen nicht im vollen Umfang erklären kann. Dies kommt vor allem dann vor, wenn sie sich zum ersten Mal mit der Materie beschäftigen.

Beispiel anhand zalando

Ein Nutzer möchte sich Sneakers in der Schuhgröße 43  kaufen. Jedoch hat er sich noch nicht auf das Obermaterial, Farbe und Marke festgelegt. Auf zalando wählt der Nutzer die Kategorie Herren→Schuhe→Sneakers aus. Auf der folgenden Seite findet der Nutzer auf der linken Seite eine Facettensuche. Die Schuh-Art »Sneakers« ist bereits ausgewählt. Als nächstes wählt er die Schuhgröße 43 aus und fängt an in den Suchergebnissen zu stöbern. Um seine Suche weiter einzugänzen, wählt er eine Preisspanne und die Farbe des Obermaterials. Durch die Facettensuche bietet zalando die Möglichkeit, Suchergebnisse nach klaren Kriterien schnell und einfach einzugrenzen und die Such-Kriterien auch wieder rückgängig zu machen.
Im Contentbereich ladet eine Übersicht aller Treffer zum explorativen stöbern ein.

Fazit

Die drei Modelle zeigen, dass Erkundung nicht gleich Erkundung ist. Je nachdem in welcher Situation sich der Nutzer befindet, kommt mindestens eines der Modelle vor. Im Laufe der Erkundung kann sich die Situation aber auch ändern. Das heißt die Modelle sind situationsabhängig und schließen einander nicht aus.