uxzentrisch erörtert:
ESPN, Beispiel für eine Multi-Device-Strategie

Im Google Tech Talk über die Dos and Don’ts of Mobile Strategy weist Jason Grigsby (@grigs) auf die gute Userexperience der ESPN Website hin, die auch auf mobilen Endgeräten gut funktionieren soll. Wir haben uns die Mühe gemacht das ganze mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da wir nur die Userexperience der Website untersuchen, haben wir die App aussen vorgelassen.

Die Ansteuerung mit dem iPad:
Besucht man die Seite mit dem iPad, kann man unter folgenden Optionen wählen:

  1. Die Mobile-Seite, die im Prinzip für das iPhone / Android optimiert ist
  2. Die Desktop Variante, die durch MPEG4 Videos und eine kluge Hover Variante für das iPad optimiert ist
  3. Den iTunes Link, mit dem man sich die ESPN App für sein Apple Gerät besorgen kann.

Die getroffene Auswahl kann dann gespeichert werden, so dass man bei erneutem Besuchen die Auswahl nicht erneut treffen muss.

Meiner Meinung hätte man auf die Seite mit den drei Optionen verzichten können und man würde direkt auf die normale für das iPad optimierte Website kommen. Diese funktioniert ausreichend gut und die für die Touchphones opmitierte Variante (1) eignet sich nur bedingt für die Touchpads. Um die App zu bewerben, wäre ein Pop-Up und ein Teaser auf der Webseite sogar besser gewesen.

Pfiffig ist bei der fürs iPad optimierten Seite die Lösung für den Hover-State des Menüs. Wenn man auf dem iPad auf einen Hauptmenüpunkt klickt, öffnet sich der Layer. Um ihn wieder zu schließen, klickt man auf ein kleines (x) oben rechts in der Ecke, den es bei der normalen Desktop Website natürlich nicht gibt. So funktioniert die Menüführung auch mit einem Touchpad.

Die Ansteuerung mit dem iPhone oder Android Phone
Wenn man mit dem iPhone die Seite ansteuert, kommt man direkt auf die für Touchphones optimierte Variante, ohne etwas auswählen zu müssen. Zwischen iPhone und Android gibt es kleine, aber wie ich finde, unwesentliche Unterschiede.

  • Die Buttons in der iPhone Darstellung sind in der iPhone Optik. Es kann sein dass die auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der installierten Browser zurückzuführen ist, jedoch konnte ich das nicht überprüfen.
  • Der Viewport ist unterschiedlich groß, was meiner Meinung nach, bei einer vertikal scrollbaren Seite, nicht von großer Bedeutung ist.
  • Die Schrift auf den Android Geräten ist leider immer noch auf 2 Schriften beschränkt »Droid Sans« und »Droid Serif«, worauf ESPN aber keinen Einfluss hat.

Im folgenden einige vergleichende Screenshots, zwischen iPhone und Android.

Startseite mit Videoteaser und Werbung im oberen Bereich:

Unterschiedliche Buttondesigns und Viewportgrößen:

Unterschiedliche Viewportgrößen und verschiedene Schriften:

Die Unterschiede sind nur visueller Natur. Die Inhalte sind  identisch, unterscheiden sich jedoch von der Desktopvariante. Nicht alles was man auf dem Desktop sieht, sieht man auf dem iPhone. Die Teasertexte sind kürzer und für den kleineren Screen aufbereitet.
Was mir nicht so gut gefällt ist der gescheiterte Versuch iOS Effekte nachzuahmen. Das iOS nutzt vielfach eine links-rechts-Animation des Screens um »Seitenwechsel« zu visualisieren. Dieses Verhalten versucht man auf ESPN mit Javascript nachzustellen. Die verwendete Lösung ruckelt aber und führt zu einem unschönen Übergang und einer schlechteren UX. Der Verzicht auf diesen Effekt wäre wohl besser gewesen – zumindest solange keine technische Lösung verfügbar ist, die die Animationsqualität einer nativen App hat.

ESPN zeigt für die verschiedenen Endgeräte eine gute Lösung. Perfekt ist diese aber noch nicht. Die Frage, die man sich stellen mag: Wieso betreibt ESPN diesen nicht unerheblichen Aufwand für die verschiedenen mobilen Endgeräte? Denn es fällt sowohl technisch als auch redaktionell mehr Arbeit an.

Nach ein wenig  Recherche bin ich auf diesen Artikel gestoßen, der zeigt welche Bedeutung inzwischen der Bereich Mobile für Sportnachrichten-Websites hat.

ESPN’s mobile offerings (ESPN Mobile Web, ESPN 2010 FIFA World Cup App, ESPN ScoreCenter App) generated 8.2 million visits and 50.4 million page views to World Cup content over the first 2 days of the event. This compares favorably to the 73 million page views to the FIFA mobile website during the entire 2006 World Cup. Mobile platforms also generated 555,000 video views in those two days.

Es wäre ganz einfach unklug die immer weiter wachsende mobile Benutzerschaft zu verprellen, in dem man ihnen auf diesen Endgeräten schlecht  benutzbare Seiten anbietet. Die Website muss letztendlich auf jedem Endgerät sehr gut funktionieren. Egal ob Desktop, Touch-Pad, Touch-Phone oder auch Blackberry, für die ESPN auch eine eigene Version hat. Eine gute UX ist nur dann möglich, wenn die Inhalte und die Darstellung für das Endgerät adäquat aufbereitet worden sind. Dies tut ESPN. Ich glaube sogar daran, dass sie in Zukunft eine eigene iPad Version anbieten werden und nicht die für das iPad angepasste Desktopversion, so wie es die Wochenzeitung »Die Zeit« vorgemacht hat.