uxzentrisch erörtert:
mobile User Experience erklärt auf einer Serviette

Kürzlich saß ich in einem Meeting zum mobilen Internet und brauchte etwas, das die Gedanken aus meinem letzten uxzentrisch-Feature über die Vor/Nachteile von mobilen Websites vs. nativen Apps visualisiert.

Hier im besten Back-Of-A-Napkin-Stil die Skizze:

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Die Kernaussagen:

  • Y-Achse: Die UX mobil kann positiv oder negativ sein. Besonders bei Plakaten fällt mir letzteres seit Marians Artikel immer häufiger auf.
  • X-Achse: Die Nettobotschaft soll sein: Mobil heißt nicht gleich native App. Mit HTML kann man häufig sogar mehr erreichen.
  • A / Nicht optimiert: Eine klare negative mobile UX haben Seiten, deren Kernfunktionen mobil nicht funktionieren. Beispielsweise durch Flash am iPhone mit fehlendem Alternativ-Content.
  • B / Standard  Website nutzbar: Meine Entscheidung für StayScout. Es ist nichts kaputt aber es ist auch nichts besonderes.
  • C / Website mit mobilem Template: Nicht alle UseCases einer Website sind für mobile Szenarien gleich wichtig. Wir beginnen typischer Weise die Optimierung mit denen Teilen der Seite, die mobil am wichtigsten sind.
  • D/E / besondere mobile UseCases: Hier denke ich an Barcode-Scannen, Geo-Lokalisierung  und dergleichen. Szenarien also, die am Desktop keinen Sinn machen aber mobil ein besonderes gutes Erlebnis bieten. Ob dabei eine native App oder eine besonders fancy HTML-Seite gebaut wird, muss auf Basis der benötigten Feature und Vermarktung entschieden werden.

Kritik:

In besagtem Meeting hat diese Visualisierung gut funktioniert. Ein berechtigter Kritikpunkt ist, dass das Diagramm ausdrückt, dass D/E besser sei als C. Beispiel: Es gibt eine Produktsuche auf der Website. Diese wird von Vertrieblern vor Ort mobil ebenfalls genutzt. Ein mobiles Template für nur diesen Teil der Website, ist schon eine super UX. Für diese Vertriebler wäre es unter Umständen gar keine Verbesserung im Workflow, wenn eine optimierte Seite/App die Suche anhand von Handy-Fotos des Produkts durchführen würde… – Fazit: Man darf die Linie nach oben hier nicht so genau nehmen.

Update: Gerade finde ich einen Google Tech Talk, der sehr gut zu diesem und meinem letzten Post passt. Jason Grigsby illustriert an einer Reihe an guten Beispielen »DOs and DON‹Ts of Mobile Strategy«: Unter anderen die schlechte mobile Nutzbarkeit von Apple.com, die Notwendigkeit seine mobile Site und Desktop-Site miteinander richtig zu verknüpfen (Kommunikation, URL-Design,…) und sein Gedanke, dass der Wechsel von der mobilen zur Desktop-Site nicht im Frontend, sondern auf CMS-Ebene erfolgen sollte. Wer wenig Zeit hat, sollte zumindest die ersten 30 Minuten schauen :).

6 Kommentare

Jens Scharnetzki vor 5 Jahren

Zur Zeit sagt die Grafik aus, das je besser die Seite/Applikation an das Device und den Use Case angepasst ist, desto besser ist die UX.
Was immer richtig ist:-).
Vielleicht solltest du den Unterschied zwischen C und D/E noch deutlicher über Besonderheiten der nativen Interaktions und Eingabemöglickeiten des mobilen Devices machen, denn das kann sehr wohl zu einer gesteigerten User Experince führen.

Tobias Jordans Autor vor 5 Jahren

Update2: Ich müsste jetzt eigentlich die Skizze aktualisieren: »D/E« muss ergänzt werden durch F:
F steht dann für Software wie Titanium, mit der man seine HTML(5) Website in eine native App für iPhone oder Android umwandelt. Wenn damit dann wirklich ein voller Zugriff auf die nativen iOS-Funktionen einhergeht (Kammerazugriff wie eine native App,…), gehören diese App auch eine gleichwertige Darstellung in der Skizze.

Hat jemand Erfahrungen mit PhoneGap oder Titanium?

Christian Rothe vor 5 Jahren

Braucht es wirklich ein Mobile Template für eine Anwendung? Als Shopbetreiber glaube ich eher daran, dass der wahre Treiber des Mobile Commerce die Tablett-PCs wie das iPad sein werden – und wir es deshalb eher mit einem »Sofa-Commerce« zu tun haben werden.

Und die besondere UX des iPad liegt m.E. darin, dass man als Nutzer endlich die »normale« (bekannte und gelernte) Benutzeroberfläche mit Genuss nutzen kann – und nicht mit irgendeiner kastrierten Mobilversion Vorlieb nehmen muss.

Und überhaupt: Werden nicht ohnehin die Fähigkeiten von native Apps und »normalen« Web-Oberflächen allmählich zusammenwachsen? Meines Erachtens ist davon auszugehen, dass Web-Frontend-Frameworks wie jQuery zunehmend spezielle »mobile Gestures« verstehen und unterstützen, so dass die Bedienung und das Benutzerlebnis von Web-Oberfläche und native App immer ähnlicher werden.

Marian Steinbach uxzentrisch vor 5 Jahren

@Christian Rothe: Ich möchte gerne auch an den technischen Fortschritt glauben und daran, dass es irgendwann noch einfacher wird, verschiedene Endgeräte zu bedienen. Woran ich aber auch glaube ist:

- Es wird auch in zwei bis drei Jahren noch mehr mobile Endgeräte geben, die einem heutigen Smartphone ähnlich sind, als solche, die eher in die Kategorie Tablett fallen.

- Auch mit diesen Smartphone-artigen Endgeräten will man sich mal auf einen Online-Shop begeben und mal schauen, was denn die Laufschuhe X oder der Pulsmesser Y da kosten. Ob das nun unterwegs ist oder auf dem Sofa.

- Dabei werden sich die Shops leichter tun, mir etwas zu verkaufen, die sich auf mein kleines Display mit den vergleichsweise winzigen Pixeln und den vergleichsweise riesigen Mauszeigern (Fingern) einstellen.

Ein für das Device optimiertes User Interface ist meines Erachtens nach wie vor eine spezifische Design-Aufgabe. Die wird sich in absehbarer Zeit vermutlich nicht durch ein paar CSS Media Queries und Hinzuladen einer JS-Datei erledigen lassen.

Tobias Jordans Autor vor 4 Jahren

Update: Dieser Artikel bei Konversionskraft verweist nicht nur auf uns, sondern denkt das Thema auch gut weiter: http://www.konversionskraft.de/cro-serien/mobile-shopwebsites-user-experience.html

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