uxzentrisch erörtert:
Musik einfach mal schnell runterladen

Ich höre gerne Musik und lasse mich gerne spontan dazu hinreissen, neue Entdeckungen sofort haben zu wollen. Bisher war der Weg über den Versand per CD nicht zu umgehen. Wer will schon DRM-beschnittene Musik mit all ihren Nutzungsproblemen. Aber glücklicherweise gibt es ja seit diesem Jahr immer mehr Angebote, bei denen man ungeschützte mp3-Musik käuflich erwerben kann. Seit neuestem auch von Saturn, inklusive attraktivem (also günstigem) Startangebot, wie es sogar in der TV-Werbung schallt.

Gestern war es wieder soweit. Film geschaut, zwei Musikstücke vom Soundtrack toll gefunden. Ich brauchte also sofort Musik von »The Tiger Lillies«.

Ab in den Saturn Download-Shop

Nach kurzer Suche nach Saturn und download schnell die richtige Seite gefunden. Dort ist dank prominenter Suche auch die Musik schnell gefunden. Vorhören geht leider nicht – vermutlich mein Fehler, da ich einen exotischen Mac verwende und wohl eh Apples Angebot nutzen sollte. Hinweise, warum das Vorhören für mich nicht geht gibt es leider nicht. Also schnell in besagten iTunes-Store und da Vorhören. Die richtigen Alben identifiziert, landen beide im Einkaufswagen des Saturn-Shops.

Los zum Warenkorb und auschecken

Kurz bevor ich aufgeben will, findet sich der Link zum Einkaufskorb dann doch irgendwo in der vertikalen Navigation zwischen Merkzettel und Hilfe.
Endlich da, stelle ich fest, dass nichts im Einkaufskorb liegt. Also nochmal die Alben raussuchen und wieder in den Einkaufskorb packen – wieder leer.
Klug und munter denke ich, dass es am Firefox liegen muss und probiere das ganze Prozedere im Safari. Und tatsächlich funktioniert hier der Einkaufskorb, welchen ich mittlerweile auch rechts in der Sidebar zwischen Interpreten A-Z und Top Interpreten gefunden habe.

Startseite Saturn Download

Auf zum Bezahlen

Man kann per Kreditkarte zahlen. Sehr gut. Die Auswahl geht auch schnell – denke ich. Doch plötzlich lande ich auf einer völlig fremden Seite von Worldpay. Worldpay? 24/7 MusicShop AG? Nie gehört. Ein tumber XSS-Angriff? Zurück zur Saturn-Seite. Dort steht tatsächlich irgendwo etwas von Worldpay als Payment-Abwickler. Muss also richtig sein.

Saturn Download Bezahlseite (Ausschnitt)

Also wieder auf die WorldPay-Seite. Dort suche ich den Button zum weiterklicken, bis ich einfach mutig auf das Kreditkartenlogo meines Vertrauens klicke, was auch funktioniert! Nach Eingabe meiner Daten klicke ich auf »Zahlung ausführen« und gelange wieder auf die Saturn-Seite. Und was nun? Ich sehe nur wieder die Startseite! Kein Hinweis auf gekauftes Material. Irgendwas ist schief gelaufen.

Jetzt schnell runterladen

Ich prüfe nach: Der Einkaufskorb ist leer. Keine Spur der Einkäufe. Aber da! Nach ein bisschen Suchen finde ich ganz unten links »Meine Einkäufe« (auf dem Screenshot der untere grüne Pfeil links). Ein beherzter Klick offenbart mir tatsächlich meine getätigten Einkäufe. Und die neu erworbenen Alben sind auch schon da. Geht doch! Also schnell beide selektiert und auf »redownload« geklickt. Warum auch immer der Button so heißt, denn ich habe die Alben ja noch nie heruntergeladen.

Ich gelange auf die Downloadseite, wo mir mitgeteilt wird, dass die Downloads als Einzeltracks oder als ZIP-Archiv möglich sind. Die ZIP-Archive enthalten aber maximal 10 Tracks. Also muss ich insgesamt 5 ZIPs herunterladen. Die Alternative 45 Einzeldownloads anzustossen erspare ich mir.

Das Herunterladen gelingt und das ordentlich schnell. Schön, denn bei zwei Alben in hoher Qualität sinds ja doch ein paar hundert MB Daten. Bedauerlicherweise sind die ZIPs nur kryptisch benannt und so muss ich in die Archive schauen, welches denn nun zu welchem Album gehört. Zusätzlich erschwerend sind die Dateinamen ohne Albumname, aber es gibt in jedem ZIP ein JPG des Covers. Das zwar so benannt ist, wie das erste MP3 im Archiv, aber dank Vorschau kann ich die Alben identifizieren und in zwei Ordner zusammenfügen. Immerhin sind die ZIPs sortenrein nach Album sortiert.

Musik auf die Ohren

Endlich am Ziel importiere ich die mp3s in mein Musikverwaltungsprogramm, um sie mir anzuhören. Es geht! Die Qualität ist sehr gut. Bedenken hatte ich ja. Leider muss ich noch einzelne Metadaten nachpflegen, weil einiges fehlt. Kein Problem, habe ich Übung, noch aus der Zeit wo ich meine Musik-CDs selber in mp3s konvertiert habe.
Am Ende freue ich mich über die Musik und geniesse es, sie nicht erst in zwei Tagen und nicht nur auf bestimmten Abspielgeräten hören zu können. Dafür vergebe ich doch gerne so manchen Fehler. Aber bis zum nächsten Besuch sollte sich einiges verbessern, oder ich schaue mal, was die anderen so können…

Epilog

Nach einer kurzen Recherche ist klar, dass Saturn sich eine Whitelabel-Portallösung von 24/7 Entertainment AG eingekauft hat. Dadurch ergeben sich zwangsläufig Limitierungen in Umsetzung. Die Verwirrungen im Checkout-Prozess sind also systemimanent. Ebenso technische Limitierungen wie die Probleme mit dem Vorhören und beim Download von ganzen Alben. Die Gestaltung des Interfaces und die Platzierung so wichtiger Sachen wie des Warenkorbs, muss sich Saturn aber ankreiden lassen. Aus ux-zentrischer Sicht gibt es da noch einiges zu tun.

Weiteres Vorgehen

Ich werde weiter online Musik einkaufen und auch wieder berichten. Vorschläge sind willkommen. Eventuell versuche ich demnächst Mal im iTunes-Musicstore DRM-freie Musik zu finden und zu kaufen. Ich wurde eh wieder daran erinnert, dass ich wieder einmal eine neue Version installieren darf, die ich dringend brauche, damit alles funktioniert. Aber ich überwinde ja gerne Hürden.

Saturn Download: http://www.saturn.de/musikdownload/
24/7 Entertainment AG: http://www.247entertainment.com
Weltbild Download (selbe Lösung): http://www.weltbild-downloads.de

5 Kommentare

Konstantin Weiss uxzentrisch vor 7 Jahren

ich hab kurz in den saturn-shop-link reingeklickt und bin bereits bei der suche gescheitert. nach dem ich einen suchbegriff eingegeben hab, habe ich noch einmal mit der maus in das such-textfeld reingeklickt. ergebnis: mein suchbegriff wurde gelöscht. danach habe ich ca. 10 sec. lang den “suchen”-button gesucht, und mich dabei die ganze zeit angestrengt, nicht auf “erweiterte suche” zu klicken. na ja, ich wäre so oder so nicht weit gekommen, da die site ja mit dem firefox nicht funktioniert.

Martin Gude uxzentrisch vor 7 Jahren

Die Suche ist echt ein grosses Problem. Ich habe nach Titeln von »Die Fantastischen Vier« gesucht – den Text hatte ich aus einem anderen Artikel in dem Shop kopiert. Und trotzdem kamen keine Ergebnisse. Dann hab ich’s mit »Fantastischen Vier« als Suchbegrif versucht – und es kamen Ergebnisse. Und zwar mit »Die Fantastischen Vier« als Interpret. Really strange.

Marian Steinbach uxzentrisch vor 7 Jahren

Seltsam. Eine der wichtigsten Funktionen in einem MP3-Shop sollte doch auch das Pre-Listening sein. Nicht nur, dass der Button dafür nicht das übliche Play-Symbol (Dreieck nach rechts zeigend) trägt, sondern zwei Musiknoten (ohne title-Attribut, also kein Tooltip!).

Nein, das Anhören eines Lieds erzwingt auch noch das Öffnen eines Popup-Fensters.

Ziemlich Einsnull!

Tobias Jordans uxzentrisch vor 7 Jahren

Sehr interessant fand ich in diesem Zusammenhang den Gedanken, den wir zwischendurch einmal diskutiert haben: Whitelabel zu verwenden ist aus wirtschaftlicher Sicht sicher eine kluge Sache. Aber wie stark negativ wirkt sich ein Whitelabel mit schlechter User Experience auf die Marke aus? Und verliert Saturn nicht nur kurzfristig Musikkäufer durch den holprigen Checkout-Prozess und die technischen Einschränkungen… sondern auch langfristig, weil demotivierte Kunden geschaffen werden? – Letzteres vermute ich nicht. Denn Saturn arbeitet aktuell und sicher auch zukünftig hauptsächlich über den Preis. Die Kunden, die zu Saturn aufgrund des günstigen Preises gehen, sind auch besonders motiviert die Hürden zu überspringen, um den aktuellen Checkoutprozess zu überstehen. Und es sind auch die Kunden, die beim nächsten günstigen Angebot Saturn wieder eine Change geben würden.
Toll wäre, man könnte es messen und bewesen; gerne auch das Gegenteil :).

Konstantin vor 7 Jahren

Hallo ux·zentrisch!

»Musik einfach mal runterladen« habe ich vor zwei Wochen auf dem 2. Cologne Web Content Forum vom eco Verband vorgestellt bekommen: roccatune sind die Sieger im elevator-pitch Wettbewerb und bieten angeblich den kostenlosen Download von unzähligen Musikstücken und ganzen Alben an. Das Business-Modell ist eng verwoben mit großen Platten-Labels und refinanziert sich über Werbung und Mehrwertdienste, die im white-label Modell auf Webseiten eingebunden werden können.

Mein kurzer Test hat aber ergeben, dass die Plattform noch recht unzuverlässig läuft.

Wer’s selbst ausbrobieren möchte: http://www.roccatune.com

Gruß

Konstantin