ux·zentrisch diskutierte vor einiger Zeit:

Mittwoch, 7. Oktober 2009 von Marian Steinbach

Performance-Nachteile von No-WWW?

Es ist kein großer Glaubenskrieg, aber doch eine immer wiederkehrende Debatte: Sollten Websites auf die URL http://www.domain.de/ hören, oder sollten Betreiber auf das Präfix »www.« verzichten und einfach http://domain.de/ nutzen?

Bei uxzentrisch.de haben wir uns gegen das www.-Präfix entschieden. Unser Wunsch ist es, möglichst kurze und gut lesbare URLs zu haben. Wir sahen bislang auch keinen Grund, das www-Präfix im Namen der Site zu führen, solange man eine Weiterleitung anbietet, damit Nutzer, die www.uxzentrisch.de in die Adressleiste des Browsers eingeben, ebenfalls ans Ziel kommen.

Denjenigen, die sehr um die Performance (genauer: Ladezeiten) ihrer Website bemüht sind, liefert Yahoo! nun aber doch ein auf den ersten Blick schlüssiges Gegenargument, warum das www-Präfix in der URL geführt werden sollte. Oder sagen wir besser: Warum irgendein Präfix als Hostname geführt werden sollte. Während die Argumentation von Yahoo wie immer sauber ist, würde ich jedoch nicht sagen, dass als Konsequenz jede hochperformante Site das www-Präfix tragen muss.

Aber erst mal zu Yahoos Betrachtungen: Der Knackpunkt sind Cookies. Wer die Site domain.tld betreibt und das www. weglässt , dem bleibt nichts anderes übrig, als die Cookie-Gültigkeit für *.domain.tld einzustellen. Damit werden Cookies unnötigerweise auch an Server gesendet, die z.B. nur zum Ausliefern statischer Inhalte (Bilder, CSS, JavaScript) genutzt werden. Da Cookies mit jedem einzelnen HTTP-Request gesendet werden, kann das bei Sites mit vielen Requests und vielen Cookies schon einen wesentlichen Einfluss auf die Dauer der Requests haben. Ende der Yahoo-Argumentation.

Das gilt natürlich nur, wenn der Server für statische Inhalte den selben Domainnamen trägt wie die Site selbst (also z.B. static.uxzentrisch.de). Wer also auf www. verzichten möchte und einen Server für statische Inhalte betreibt, sollte diesen unter einer Domain betreiben, die nur für diesen Zweck besteht. Das erfordert zwar je Besuch einen zusätzlichen DNS-Lookup (wovon die oben verlinkte Yahoo-Site ebenfalls abrät), dessen Auswirkung dürfte aber in jedem Fall deutlich kleiner sein als die Verzögerung der HTTP-Requests durch unnötige Cookie-Übertragung.

Schön, dass wir uns darüber mal austauschen konnten. :)

Montag, 5. Oktober 2009 von Lutz Schmitt

Archivieren statt einfach nur ein Bookmark setzen

Mein bevorzugter Bookmark-Dienst Diigo hat sich am Wochenende komplett redesignt – und ganz nebenbei dem klassischen Bookmark eine völlig neue Qualität hinzugefügt.

Ab sofort nimmt Diigo eine URL, die man bookmarked, automatisch in den eigenen Cache auf. Obendrein gibt es die Funktion »Snapshot« – Diigo macht auf Wunsch direkt noch einen Screenshot der Webseite und heftet diesen an den Bookmark.

Snapshot-Feature im Bookmarklet

All diese zusätzliche Meta-Daten und Archiv-Quellen stellt Diigo auf einer Meta-Page zur Verfügung. Mit dieser Dienstergänzung bekommen unsere Bookmark-Sammlungen plötzlich eine neue Qualität. Sie sind nicht mehr nur vergängliche Momentaufnahmen, sondern können so wirklich als verlässliche Quellen dienen.

Diigo Meta-Page

Besonders freut mich, dass Diigo es geschafft hat, nicht einfach wie bisher Funktion um Funktion hinzuzufügen und wild aufzutürmen, sondern offensichtlich grundlegend über Sinn und Zweck von Bookmarks nachzudenken – und sinnvoll weiterzuentwickeln.

Freitag, 18. September 2009 von Tobias Jordans

»Not everything that can be counted counts, and not everything that counts can be counted.«

Ein tolles Zitat von Albert Einstein (via Signal-vs-Noise) auf das Brian in den Kommentaren gekonnt mit der Management-Regel »If you can’t measure it, you can’t manage it.« kontert. Ein gutes Gegenargument? Nein, denn wie Martial sehr richtig antwortet, darf man zählen nicht mit messen verwechseln. Man kann vieles messen, wenn man möchte. Auch die Dinge, die zu zählen laut Einstein keinen Sinn machen – welche auch immer das sind :-).

Donnerstag, 17. September 2009 Ein Feature von Lutz Schmitt

Das Web-Duell der Bundeskanzlerkandidaten-Websites

Autor

Auch uxzentrisch kann sich dem Medien-Duell der Bundeskanzlerkandidaten nicht entziehen und nach dem großen TV-Duell Merkel vs. Steinmeier folgt hier nun das Web-Duell. Welche Website kann überzeugen, was wird geboten, sind Nutzerführung und Inhalte Zielgruppengerecht – kurz, wie sieht die VX (Voter Experience) aus?

Hier geht es also nicht um Inhalte oder Politik und wer die bessere macht, sondern um den natürlichen Anspruch der Websites, die Bundeskanlzlerkandidaten zu repräsentieren und die Frage wie gut sie die Zielgruppe »Deutsche Wahlberechtigte«  addressieren. Immerhin 62,2 Millionen Menschen oder zumindest der Anteil, der im Internet surft.

Mittwoch, 16. September 2009 von Tobias Jordans

»Prämisse heißt in der Logik eine Voraussetzung oder Annahme. Sie ist eine Aussage, aus der eine logische Schlussfolgerung gezogen wird.

Beispiel: Aus „Alle Menschen sind sterblich“ und „Sokrates ist ein Mensch“ folgt „Sokrates ist sterblich“. Die beiden erstgenannten Aussagen sind dabei die Prämissen, die letztgenannte Aussage ist die Konklusion oder Schlussfolgerung.«

Wikipedia »Prämisse«. Lateinisch praemissum »das Vorausgeschickte«.

Ein passendes Wort, um strategische Voraussetzungen und Annahmen über Nutzer festzuhalten, anhand derer später ein Konzept überprüft werden kann.  Im Gegensatz beispielsweise zu »Axiom« (Wikipedia), bei dem eine statistische oder mathematische Grundlage als Beweis vorhanden sein muss.

Freitag, 11. September 2009 von Marian Steinbach

Mini-Umfrage zur Web-Nutzung am (nicht-iPhone-) Handy

Nutzt Du den Web-Browser Deines Handys? Und Dein Handy ist kein iPhone (bzw. iPhone-ähnliches Smartphone/PDA)? Hervorragend! Damit gehörst Du zu den Menschen, von denen wir gerne mehr erfahren möchten:

  • Welche Web-Angebote nutzt Du auf Deinem Handy häufiger?
  • Warum nutzt Du sie?
  • In welchen Situationen nutzt Du sie?

Aus den Antworten wollen wir gerne einen Feature-Artikel hier auf uxzentrisch.de machen. Wenn Du uns um Deine Erfahrungen bereichern möchtest, schreib uns bitte über die Kommentarfunktion.

Wenn Du jemanden kennst, der uns etwas berichten könnte, bitte leite demjenigen den Link zu dieser Seite weiter. Oder retweete, facebooke, blogge darüber.

Herzlichen Dank!

Mittwoch, 9. September 2009 von Tobias Jordans

»Live sketching gets people engaged in the discovery process and leads to ideas that may not have presented themselves via normal note-taking. The response to visuals being created before a clients’ or colleagues’ eyes is energetic, and that leads to a natural desire to fill in the picture, completely. The result: Understanding and alignment, quickly.«

Drew Crowley, Designer von XPLANE gibt 5 live sketching tips every designer should know.

Ein guter Artikel, der meine eigenen Erfahrungen widerspiegelt.

Dienstag, 8. September 2009 von Marian Steinbach

Don’t Make Me Think About Shopsuche

Das ist wieder einer dieser Nörgel-Artikel. Aber ich bemühe mich, auch positive Schlüsse aus meiner Nörgeleien zu ziehen. Versprochen.

Dass Mehr nicht immer Mehr ist, haben wir schon in den Anti-Pattern-Artikeln Zwei Eingabefelder statt einem und Unsinnige Fragen stellen angemerkt. Die Shopsuche des Schuh-Versenders Zalando ist ein Beispiel für das »Unsinnige Fragen stellen« Anti-Pattern, das eine nähere Betrachtung verdient hat.

Nutzer werden hier mit einem Drop-Down-Feld vor die Wahl gestellt, in welcher Shop-Kategorie sie nach einem bestimmten Suchbegriff suchen wollen. Die vorgegebene Option lautet »Alle Kategorien«.

zalando suche 1

Mit großer Wahrscheinlichkeit will Nutzer hier wissen, welche Optionen denn noch zur Auswahl stehen und öffnet das Drop-Down-Feld.

zalando Suche 2

Aha. Damenschuhe, Herrenschuhe und Taschen/Accessoires.

Warum dieses Auswahlfeld? Es dürfte zwar stimmen, dass die meisten Nutzer sich bei einem Einkauf nur für eine der drei Kategorien interessieren. Warum aber müssen sich alle Nutzer immer mit dieser Frage beschäftigen? Und was passiert, wenn sie sich damit beschäftigen? Sie könnten zum Beispiel auf den Gedanken kommen, dass »converse chucks« eigentlich Unisex-Produkte sind und weder bei Damenschuhen, noch bei Herrenschuhen so richtig gut untergebracht sind.

Was wäre, wenn dieses Auswahlfeld gar nicht da wäre? Dann müsste sich die Suche genau so verhalten, als wäre die Option »Alle Kategorien« ausgewählt. Mit dem Unterschied, dass Nutzer nicht darüber nachdenken müssten und direkt ihre Suchbegriffe in das Suchfeld eingeben könnten.

Je nachdem, welchen Suchbegriff der Nutzer verwendet, ist die Kategorienfrage ohnehin implizit beantwortet. »high heels«, »ballerinas«, »pumps« und »peeptoes« zum Beispiel gibt es eh nur in der Damenabteilung.

Für Suchergebnisse, die Produkte aus mehreren Kategorien enthalten, zeigt Zalando ja sogar Filter zur Einschränkung des Ergebnisses an (»Faceted Search« oder »After Search Navigation« genannt).

zalando_suche4

Eine Frage weniger an den Nutzer und ein Eingabefeld weniger könnte aus einer relativ einfachen eine sehr einfache Angelegenheit machen. Bei Zappos, dem amerikanischen Vorbild, kann man sich ansehen, wie das funktioniert. Und dort gibt es seit neustem deutlich mehr als nur drei Produktkategorien.

Mehr zum Thema bei uxzentrisch.de:

Noch eine Erklärung für den merkwürdigen Titel des Beitrags: dieser Text ist inspiriert von Steven Krugs Klassiker Don’t Make Me Think – dem bisher unterhaltsamsten Buch über Web Usability (deutschsprachiges Beispiel-Kapitel als PDF).

Donnerstag, 3. September 2009 von Tobias Jordans

Die Evolution des Office-Button: Ein Sieg für die Gewohnheit!

Bald kommt Office 2010 und wie schon beim letzten Release, bindet Microsoft auch diesmal die Fangemeinde mit interessanten Hintergrundberichten in den Entwicklungsprozess ein.

Diese Artikel geben der vermutlich eher kleinen Fangemeinde des kreisrunden Office-Button die Gelegenheit, die Trauerfeier vorzubereiten: denn in Office 2010 siegt die Gewohnheit und Erwartungskonformität im Interfacedesign. Dem orangfarbenen Office-Strandball wird die Luft abgelassen und er verwandelt sich zurück in einen Datei-Button.

Die Evolution in Bild und Wort:

office button evolution im ribbon (button only - export klein)
Vergrößern

  • Office 2003: Das klassische Datei-Menü
  • Office 2007 Beta: Das Dateimenü wird zu Dropdown um in die ersten, rohen Ribbon-Designs hineinzupassen.
  • Office 2007 Beta 2 + Office 2007 final: Willkommen am Strand. Die »Office  Schaltfläche«, wie sie bei uns genannt wird, tritt ihren Dienst. Sie ist bunt, neu und passt gut zu Windows Vista und macht jemdem am Telefon das Leben schwer »klick auf den blauen Kreis links oben…«. (Quelle, Quelle, Quelle)
  • Office 2010 technical preview: Strategischer Rückzug. Erstmal mit neuer Position aber altem Layout. (Quelle)
  • Office 2010 Beta: Der Kreis schließt sich: Das Dateimenü ist zurück – jedoch neu geboren als Reiter im Ribbon, das die so genannte Backstage-View öffnen.

Marina, Program Manager im Office User Experience-Team beschreibt in dem oben verlinkten Artikel, wie es zu dem Design in Office 2007 kam und wo sie das Problem sehen:

Donnerstag, 3. September 2009 von Tobias Jordans

»Our participants were faster, more successful, less error-prone, and more satisfied when they used the forms with inline validation. Eye-tracking also showed that they ›fixated‹ on the forms with inline validation less frequently and for less time, which shows that they found these forms easier to process visually than the forms without inline validation.«

Luke Wroblewski in seinem neuen A List Apart-Artikel »Inline Validation in Web Forms«

Er beschreibt darin anschaulich und ausführlich seine Usabilitylabor-gestützten Nutzerbeobachtungen im Umgang mit einem Webformular.

Lukes Buch »Web Form Design: Filling in the Blanks« aber vor allem die verschiedenen Artikel, die er dazu im Netz publiziert hat, sind eine sehr nützliche Referenz und Argumentationshilfe wenn Formulare konzipiert und gestaltet werden müssen.