uxzentrisch erörtert:
PDF-Rechnung als interaktives User Interface

Rechnungen nicht per Post sondern per E-Mail als PDF zu versenden bzw. zum Download anzubieten, gehört seit geraumer Zeit zum Einmaleins der Kosteneinsparung im Endkundengeschäft. Das PDF-Format bot sich zur Ablösung der Printversion deshalb an, weil man die Rechnungsdokumente dafür in der Regel überhaupt nicht verändern musste. Kunden wurden häufig mit finanziellen Anreizen dazu gebracht, auf den Postversand zu verzichten und auf die PDF-Rechnung umzustellen.

Nur die wenigsten Unternehmen dürften sich Gedanken darüber gemacht haben, ob ein per E-Mail versendetes, am Bildschirm geöffnetes Dokument denn tatsächlich die selben Anforderungen erfüllen muss wie ein Druckerzeugnis.

Das Mobilfunkunternehmen O2 Germany bildet nun die erste mir bekannte Ausnahme. Seit Februar sehen die PDF-Rechnungen, die ich mir im Kundenbereich herunterlade, nicht mehr so aus wie die ursprünglichen Print-Dokumente. Sie tragen nun die Überschrift »Interaktive Rechnung«.

Was zunächst am Deckblatt der Rechnung auffällt, sind einige aktive Schaltflächen. Außerdem ungewöhnlich und praktisch: Man kann den Rechnungsbetrag sofort erkennen, auch ohne die Zoom-Funktion der PDF-Anzeige zu benutzen. Zusätzlich sind einige Textelemente wie Rechnungsbetrag, Rechnungszeitraum und Zahlungsziel mit einer blauen Strichellinie hinterlegt. Was bedeutet das alles?

Die Schaltfläche »Zur Druckansicht« erklärt sich bei Berührung mit der Maus. Wer sie anklickt, schaltet in einen Druck-Modus, bei der fast alle interaktiven Elemente verschwinden. Über den gleichen Button kann man wieder zurück zur interaktiven Rechnung wechseln.

Unter der angezeigten Anschrift des Kunden wird direkt ein Link zum Ändern der Anschrift im Kundenbereich von O2 angeboten. Stimmt die Anschrift nicht mehr, kann der Kunde sie also direkt anpassen. Das gleiche gilt für die Bankverbindung weiter unten auf der Seite.

In unmittelbarer Nähe des Hilfe-Kastens finden Nutzer einen weiteren Direktlink zu einer Infoseite, die zusätzliche Informationen zur Rechnung im Allgemeinen bereitstellt.

Zu Rechnungszeitraum, Gesamtbetrag und Zahlungsziel, die mit blauer, gestrichelter Unterstreichung markiert sind, erhält der Nutzer bei Mouse-Over zusätzliche Infos.

Weiter unten auf der Seite befindet sich dann noch ein Kasten, der mit der Rechnung selbst nicht wirklich etwas zu tun hat, der den Nutzer aber auf aktuelle »Kundenvorteile« auf der O2 Website aufmerksam macht. Ein für mich legitimer Versuch, den geneigten Kunden auf die Website zu lotsen, wenn er schon keine Fragen zu oder Probleme mit der Rechnung hat.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass auf der zweiten Seite eine detaillierte Aufstellung der Rechnungspositionen zu finden ist.

Was mir daran gefällt?

  • Offensichtlich hat man tatsächlich darüber nachgedacht, dass die Mehrheit der Kunden ihre Rechnungsdokumente nun in Form von PDFs in einem PDF-Betrachter lesen.
  • Die berechtigte Annahme, dass PDF-Rechnungen durchaus noch von dem einen oder anderen Nutzer ausgedruckt werden wollen, ist nicht unbeachtet geblieben.
  • Die Rechnung wird deutlich übersichtlicher dadurch, dass sekundäre Erläuterungen nun keinen permanenten Platz mehr im Layout beanspruchen, sondern bei Mouse-Over eingeblendet werden.

Kennt Ihr weitere Beispiele für interaktive PDF-Rechnungen? Wir würden uns freuen, in den Kommentaren davon zu erfahren.

Disclaimer: O2 Germany zählt zu den Kunden der nexum AG, bei der alle uxzentrisch-Autoren beschäftigt sind. An der neuen PDF-Rechnung ist die nexum AG jedoch nicht beteiligt.

5 Kommentare

Helmut vor 5 Jahren

Die Interaktive Rechnung von O2 hat einen gravierenden Fehler, der mich jeden Monat fürchterlich ärgert: Ich kann das pdf nicht abspeichern.

Weiss hier jemand Hilfe ?

dork vor 5 Jahren

»Nur die wenigsten Unternehmen dürften sich Gedanken darüber gemacht haben, ob ein per E-Mail versendetes, am Bildschirm geöffnetes Dokument denn tatsächlich die selben Anforderungen erfüllen muss wie ein Druckerzeugnis.«

NATÜRLICH MUSS ES DASS!!! Ich will (und muss als Freiberufler) meine Rechnung ausdrucken und abheften. Dafür muss ich mir neuerdings für diese interaktive Mistrechnung Schrottsoftware von Adobe installieren, weil kein anderer Reader die Rechnungen mehr darstellen kann!

Ich weiss wo ich meine Daten auf der Webseite verändern kann, dafür brauche ich keine Knöpfe in meiner Rechnung.

Das ganze ist so überflüssig wie ein Kropf, entsprungen in irgendwelchen unausgelasteten Nerd-Hirnen.

Ich werde bei meinem Finanzamt mal nachfragen inwieweit es überhaupt legal ist, und dann ggf. Anzeige erstatten, oder meinen Anbieter wechseln.

Marian Steinbach Autor vor 5 Jahren

Lieber dork! Neben Adobe Reader stehen mir aktuell zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um das Öffnen der PDF-Rechnung zu testen: Die PDF-Vorschau von Android 2.1 respektive HTC sowie die PDF-Vorschau in Google Mail. Beide scheinen keine Probleme zu haben, dieses Dokument darzustellen.

Da wir, wie bereits im Artikel erwähnt, mit der PDF-Rechnung nichts zu tun haben, sondern nur darüber geschrieben haben, bleibt mir ansonsten nur, auf die Kundenbetreuung von O2 zu verweisen.

Tom vor 5 Jahren

Hallo Marian,
bin von deiner TB Extension (https://addons.mozilla.org/de/thunderbird/addon/2505 – Duplicate Contact Manager) hierher gelangt. Du hättest nicht zufällig Zeit diese demnächst mal für Thunderbird 3 upzudaten :-) ?

Zum Thema:
Das einfachste wäre es hier wohl zwei PDF-Rechnungen zur Verfügung zu stellen – eine interaktive und eine klassische.

Hier zu Hause habe ich aber noch ein ganz anderes Problem: mach für meine WG die Telefonrg. (jeder hat eine eigene Nummer), d.h. muss jd. Monat mühsam die Telefonrg aufteilen…
Inzwischen bekomme ich diese zwar als .csv von unserem Provider (Alice) – was schon deutlich besser ist – diese sind aber auch in einem Format dass ich sie erst noch trimmen muss um sie in OOo weiterverarbeiten zu können … :-/

Gruß
Tom

Marian Steinbach Autor vor 5 Jahren

Hallo Tom! Freut mich, dass Du den Weg zu uxzentrisch gefunden hast :)

Duplicate Contact Manager für TB3 werde ich wohl nicht selbst releasen. Ich komme einfach nicht dazu. Ich stelle demnächst den Code auf Github, dann darf nach Belieben geforkt und weiter entwickelt werden.

Zwei PDF-Rechnung: Damit würde man Nutzer dauernd vor die Entscheidung stellen, welche sie denn herunter laden sollen. Lieber wäre mir da eine »unobtrusive« Variante, die in einfachen PDF-Viewern und auf dem Drucker ganz einfach gut druckbar/anzeig ist. Auf Viewern, die es unterstützen, könnten dann die interaktiven Features zum Einsatz kommen. Falls das geht. Wie ich schon geschrieben habe, konnte ich mit den Dokumenten von o2 keine Probleme feststellen. Aber natürlich gibt es mehr Viewer als irgend jemand vernünftigerweise testen kann.

Zu Deinem WG-Usecase: Bei o2 gibt es den Einzelverbindungsnachweis wahlweise als PDF oder als CSV-Download. Damit müsste sowas ja eigentlich, wenn das Format sauber ist, hinzukriegen sein. Ich war mal NetCologne-Kunde, die haben Rechnungs- und Verbindungsdaten sogar als XML angeboten. Für die meisten Privatanwender ist das sicherlich etwas zu viel des guten, aber man weiß ja nie ;-)