uxzentrisch erörtert:
Der Führer hat Geburtstag - und das wollt ihr feiern?

Da war ich ganz schön erschreckt, als ich diesen E-Mail Betreff des Shopping Clubs Private Outlet gelesen habe: »Geburtstag des Führers: KOSTENLOSE LIEFERUNG 4 Tage lang!« Ich kann mich nicht dagegen wehren, bei diesem Betreff an den 20. April (Hitlers Geburtstag) zu denken.

Die große Frage, die bei mir immer noch offen bleibt, ist: wer ist dieser »Führer« überhaupt. Ich habe leider weder in der E-Mail, noch auf der Private Outlet Website irgendeinen Hinweis dazu gefunden. Das einzige was die E-Mail bei mir erreicht hat, ist ein Unwohlsein in der Magengegend.

OK, Private Outlet ist ein französisches Unternehmen und betreibt seinen Shop aus Frankreich. Dieser Fauxpas zeigt aber sehr deutlich, wie wichtig es ist, beim Texten alle Konnotationen – und bestenfalls die Hauptbedeutung – eines Ausdrucks zu kennen. Dies kann eigentlich nur durch Muttersprachler – oder zumindest sehr sichere Sprecher – gewährleistet werden. Jemand, der einmal die Sprache gelernt hat, ganz zu schweigen von einem Dienst wie Google Translate reichen da in gar keinem Fall aus.

6 Kommentare

Tamim Swaid uxzentrisch vor 5 Jahren

Ich vermute stark mit »Führer« ist der Chef von Private Outlet »Cyril Andrino« gemeint. Klar ist aber auch dass »Geburtstag des Führers« im deutschsprachigen Raum mehr als ein Griff ins Klo ist. Auch die restliche Übersetzung des Shops sieht sehr nach Übersetzungsbüro aus:

»Also melden Sie sich kostenlos an und werden Sie zu einem privilegierten Mitglied der Private Outlet Community!«

Martin Gude Autor vor 5 Jahren

Ja, so scheint es zu sein. Ich habe gerade beim Durchschauen meiner E-Mails folgende Entschuldigungs-Mail gefunden:

Guten Tag Gude,

Sie haben dieses Wochenende eventuell eine E-Mail erhalten, in der Ihnen eine Aktion angeboten wurde, um den „Geburtstag des Führers“ anstatt den „Geburtstag des Geschäftsführers“ zu feiern, und dies bedauern wir sehr.

Diese absolut unangebrachte Formulierung ist die Folge einer Unaufmerksamkeit und in keiner Weise ein Versuch unsererseits zu schockieren oder zu provozieren. Wir wollten den Text, sobald uns unser Fehler bewusst wurde, korrigieren, doch die E-Mails waren leider bereits alle versendet.

Das Team von Private Outlet möchte sich hiermit in aller Form bei Ihnen entschuldigen.

Bis bald auf Private Outlet.

Das Team von Private Outlet
Der erste Shoppingclub Europas
de.privateoutlet.com

Aber in der E-Mail nur mit meinem Nachnamen angesprochen zu werden ist auch sehr komisch.

paulinepauline vor 5 Jahren

Ich glaube nicht, dass die einen Muttersprachler haben, der die Newsletter schreibt. Heute steht drin »Diese Woche hat der Geschäftsführers seinen Geburtstag und macht Ihnen ein Geschenk!« … zum Kopfschütteln. ;)

Martin Gude Autor vor 5 Jahren

Nee, das glaube ich auch nicht. Die Newsletter finde ich immer wieder sehr lustig formuliert. Ich bin mir nur nie ganz sicher ob von Google Translate oder einem Menschen :).

Mel vor 5 Jahren

Liebe Private Outlet-Mitglieder und Forum-Leser,

Ich möchte mich hiermit für einen unglücklichen Zwischenfall entschuldigen, der durch eine Unaufmerksamkeit passiert ist.

Es handelt sich selbstverständlich um den ‘Geburtstag des Geschäftsführes”. Es war mir als Französin nicht bewusst, dass meine Abkürzung zu diesem Mißverständnis und dieser zweideutigen Interpretation führen konnte.

Es lag nicht in meiner Absicht zu schockierern und es tut mit leid, wenn es der Fall war.

Mel

Martin Gude Autor vor 5 Jahren

@Mel: Ich bin nicht ganz mit dir einer Meinung, dass die Interpretation zweideutig ist. Vielmehr denke ich, dass die Bedeutung von »Führer« als Einzelwort – und insbesondere, wenn damit ein Mensch gemeint sein soll – in Deutschland eindeutig mit Hitler verknüpft ist. Ob das in der Schweiz oder in Österreich ähnlich ist, weiß ich nicht.

Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es selbst für einen guten Deutschen Texter schwierig ist, adäquate Texte für die deutschsprachige Schweiz zu schreiben.

Es sind immer Kleinigkeiten, die ein Text mit negativen Gefühlen belasten. Von der »Baseler« Innenstadt zu sprechen würde nur einem Deutschen einfallen, es müsste »Basler« heißen (und eigentlich das heissen mit ss). Aber diese Feinheiten kann man meines Erachtens nach nur als Muttersprachler kennen.

Nicht dass du meine Kritik falsch verstehst, aber eigentlich geht kein Weg daran vorbei, die aus dem Französischen ins Deutsche übersetzten Texte von einem Muttersprachler Korrektur lesen zu lassen. Man läuft sonst Gefahr, dass so etwas – natürlich ohne böse Absicht – immer wieder passiert.