uxzentrisch erörtert:
Firefox Tab Candy: Die nächste Generation der Browser Tabs

Seien wir ehrlich: Browser unterstützen den Umgang mit vielen Seiten nur rudimentär. Seit Opera das Prinzip der Tabs eingeführt hat, haben praktisch alle relevanten Browser es nach und nach übernommen. Aber kaum jemand hat sich sichtbar damit auseinandergesetzt und das Prinzip so weiterentwickelt, dass es uns auch bei intensiver Nutzung unterstützt.

Aza Raskin stellt in seinem Blog nun einen neuen Ansatz vor, wie Firefox (und andere Browser) zukünftig mit mehreren geöffneten Seiten umgehen könnten. Der Arbeitstitel: Tab Candy. Dahinter stecken viele Ideen, die sich lohnen, näher betrachtet und ausprobiert zu werden. Mehr darüber im Video.


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Was denkt ihr? Welche der Ansätze sind brauchbar? Und müssen wir uns zukünftig mehr mit dem Ordnen von Tabs beschäftigen, als mit unseren eigentlichen Vorhaben auf den Websites?

11 Kommentare

Tamim Swaid uxzentrisch vor 5 Jahren

Das Ordnen der Tabs soll ja dabei helfen die Vorhaben auf den Websites besser zu organisieren.

Tabs sind ja auch nur die die Möglichkeit mehrere Websites in einem Fenster haben zu können.

TabCandy ist demnach die übergeordnete Ebene. Der Ansatz ist gut und könnte sich durchsetzen.

Maikel vor 5 Jahren

Ich neige auch dazu, (zu) viele Tabs offen zu lassen. Das bläht den Speicherbedarf meines Browsers unheimlich auf, trotz täglichen Neustarts.

Da ich jetzt ein neues Notebook brauchte (meine Surf-Station) habe ich jetzt so ein widerlich flaches 16:9-Display.
Um etwas Höhe für den Inhalt zu schaffen, habe ich in Opera den Tabs-Leiste an die linke Seite verschoben, damit ist das jetzt eine Tabs-Spalte; mit ordentlich Platz:-) für z.Zt. 54 Tabs in 2 Spalten; zur Not wird eine dritte aufgemacht.

Trotzdem meine ich, ist es nicht die erstrebenswerte Art, so viele Tabs gleichzeitig offen zu haben.
Nicht nur wg. des Speicherbedarfs, sondern weil immer mehr Seiten mit aktiven Inhalten Performance ziehen (und evtl. Schlimmeres anrichten können).
Je mehr Tabs offen sind, umso schwieriger ist es, den Übeltäter zu finden, wenn der Browser mal wieder mit einem CPU-Verbrauch von 100% den Rechner blockiert.

Opera bietet zwar die Möglichkeit, komplette Sessions zu speichern und wieder aufzurufen. Was ich mir aber wünschen würde, wäre einige der vielen offenen Tabs separat, als Teil-Session, speichern zu können; analog zu den Projekten in Tab Candy.

Ansonsten organisiere ich meine Seiten, auch zu einzelnen Projekten, mit Hilfe meines flexiblen Bookmark-Managers (miTaggedMarks) mit Tags.

Zu viele offene Tabs sind für mich eher ein Anlaß, da mal wieder aufzuräumen, als nach einer Möglcihkeit zu suchen, die in Gruppen zu »verstecken«.

Marian Steinbach Autor vor 5 Jahren

Lustig! Offenbar bin ich nicht der einzige, der auf den Niedrig-Displays irgendwie nicht heimisch wird. Mein erster Reflex ist immer der Druck auf die F11-taste, um wenigstens den Viewport des Browsers so hoch zu machen wie möglich.

Was das Tab-Management verspricht, verstehe ich dich so, dass du meinst, wir sollten nicht mehr Tabs unterstützen, weil das technisch zu mehr Problemen (Ressourcenauslastung) führt, richtig?

Ich gebe dir insofern Recht, als momentan die von mir genutzten Browser damit offensichtlich ein Problem haben. Offensichtlich benötigt jedes offene Tab Arbeitsspeicher. Und wenn darin zufällig gerade eine Animation (Flash, Canvas oder sonstwas dürfte dabei egal sein) läuft, wird auch noch die CPU ausgelastet. Das ist nicht nur schlecht für den Nutzer (weil sein System träge wird), sondern auch schlecht für die Umwelt (weil eine höhere CPU-Auslastung einen größeren Energieverbrauch zur Folge hat).

Aber: Nutzer werden sich davon kaum abhalten lassen, mehr Tabs zu öffnen. Daher sorgen idealerweise Browser-Entwickler dafür, dass die genannten Nachteile zukünftig eine geringere oder sogar keine Rolle mehr spielen. Eventuell lässt sich heuristisch entscheiden, ob ein Tab, das aktuell gar nicht angezeigt wird, CPU-Ressourcen bekommen muss. Und eventuell können länger nicht genutzte Tabs aus dem RAM auf einen Festplattenspeicher ausgelagert werden.

Wir haben offenbar den Punkt erreicht, wo Nutzer von einem Browser das erwarten, was bisher von einem Betriebssystem erwartet wurde. Das betrifft sowohl die technische Ebene als auch die Interaktion.

Peter Scheidt vor 5 Jahren

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es so, dass viele meiner Bekannten und Verwandten durchaus noch nicht mal wissen, dass ihr Browser Tabs hat, geschweige denn, wofür das gut sein soll – man macht einfach ein weiteres Fenster auf. Einer hat einen 27-Zoll-Bildschirm und hat für jede Seite ein eigenes Fenster, und das meistens in maximaler Bildschirmdarstellung.

Worauf ich hinaus will: Ich würde die Hypothese aufstellen, dass die geschilderten Tab-Probleme und die vorgeschlagenen Lösungen nicht unbedingt für die breite Masse relevant sind. Sie betreffen Menschen, die professionell täglich surfen und mit und im Browser tatsächlich arbeiten.

Das wäre natürlich immer noch eine entsprechend große Gruppe, so dass sich schon lohnt, über Lösungen nachzudenken. Aber wir sollten vielleicht nicht die restlichen Nutzer aus den Augen verlieren und überlegen, wie wir für sie sowas wie Tabs verbessern können. Ein guter Ansatz ist meiner Meinung nach, dass man in den meisten Fällen inzwischen ein Tab aus einem Fenster herausziehen kann und damit entweder ein neues Fenster aufmacht oder den Tab in einem anderen Fenster ablegt.

Alex vor 5 Jahren

Ganz ähnlich wie Tab Candy funktioniert Raskin.app, eine zoombare Oberfläche für den Macintosh wo ich meine Dokumente und Programme auslegen und organisieren kann. http://raskinformac.com

Marian Steinbach Autor vor 5 Jahren

@Peter: Meine persönliche Erfahrung deckt sich nicht mit deiner. Ich kenne Web-Anfänger, die in ihrem IE mit mehreren Tabs umgehen. Und ich glaube, dass die Zahl der Leute, die unter einer großen Anzahl von Tabs »leiden«, täglich steigt. Also Grund genug, sich um das Thema zu kümmern.

Maikel vor 5 Jahren

@Marian
Mal unabhängig vom Ressourcenverbrauch möchte ich den Browser in diesem Zusammenhang mit einem Schreibtisch vergleichen: Natürlich ist es im Prinzip sinnvoll, die Unterlagen für alle aktuellen Projekte immer griffbereit auf dem Schreibtisch liegen zu haben. Die meisten werden das Problem kennen, daß der Schreibtisch dann schnell viel zu klein wird, und auch ein Anbau nur kurz hilft. Mit Tab Candy erweitert man nun den Browser-«Schreibtisch« um mehrere einzelnd ausziehbare Ebenen.:-)
Das löst das Organisationsproblem nicht wirklich. Irgendwann muß man auch mit Tab Candy anfangen, die nicht ganz aktuellen Dinge im »Regal« einzusortieren, in diesem Zusammenhang vergleichbar mit einem guten Bookmark Manager.

Was du angerissen hast, ist ein fließender Übergang zu so einem Bookmark-Manager, da gibt es z.B. auch welche, die zu jedem Link einen Snapshot der entsprechenden Seite speichern.
Der Organisationsaufwand mit Tab Candy ist ähnlich, man muß auch die Gruppenstruktur festlegen, die Gruppen benennen, die Seiten dort einsortieren usw.
Eine Seite neu zu laden, von der man im Bookmark Manager nur den Link hat, ist mit den schnellen Anschlüssen heutzutage auch kein Problem.

Ich meine also, Tab Candy wird dem Tab-Chaos nur kurz Einhalt gebieten können. Irgendwann muß man auch dort anfangen, regelmäßig aufzuräumen.
Auch der Vorteil der graphischen Einordnung mit Drag and Drop hilft nur bis zu einer begrenzten Anzahl von Seiten.

BTW: Ich hatte gerade wieder das Problem, daß mein Browser plötzlich 100% CPU zog (daran zu merken, daß der Lüfter laut wurde). Das war eine Seite, die ich vor etwa zwei Tagen geöffnet hatte und die bis vor kurzem »ruhig« gewesen war. Ich konnte sie nur per Trial&Error finden, indem ich »alle« Tabs einzelnd zugemacht und wieder zurückgeholt habe.

Tobias Jordans uxzentrisch vor 5 Jahren

Themensprung: Aza Raskin hat übrigens recht, wenn er die Überzeugungskraft von Prototypen für die Begeisterung der Community lobt(*). TabCandy wurde jetzt schon als Chrome-Plugin veröffentlicht: https://chrome.google.com/extensions/detail/oiabeebnmckkdjloeofbfladabfhedlg#

*) Das Zitat ist einfach nett:

The value of an idea is zero unless it can be communicated. The most powerful way to communicate is with touchable prototypes. While most people think prototypes are time consuming, many of the products that have changed the world have started as a single-day prototype. Even the Palm Pilot was simply a block of wood that they founder carried around for weeks. Learn how to prototype. And change the world.

http://thinkvitamin.com/online-conferences/ux/

Tobias Jordans uxzentrisch vor 5 Jahren

Ah, sorry, noch etwas :-) Hier mein größter Wunsch zu TabCandy: http://feedback.mozillalabs.com/forums/56804-tabcandy/suggestions/938007-tabcandy-groups-as-tree-style-tabs – Ich finde es übrigens super, dass Aza ein OpenInnovation Tool nutzt, um das Feedback zu kanalysieren. Es müssen nur noch mehr für meine Idee abstimmen ;-)…

Marian Steinbach Autor vor 5 Jahren

@Tobias: Danke für die Infos! »TabCandy wurde jetzt schon als Chrome-Plugin veröffentlicht« hat jetzt allerdings etwas höhere Erwartungen gesetzt. »TabSense« für Chrome ist noch sehr weit von Azas Konzept-Video entfernt. Mit TabCandy kann ich es allerdings nicht vergleichen, denn das will ich mir in der aktuellen Darreichungsform nicht installieren.

Maikel vor 5 Jahren

@Tobias wg. Tree Style Tab
Mir gefällt die seitliche Anordnung, da die Bildschirme heutzutage so flach sind und in der Breite meist massig Platz übrig ist.
Wie bereits erwähnt, habe ich mein Opera so eingerichtet. Das geht da ohne zusätzliche Add-Ons

Eine Baumstruktur ist bei so einer begrenzten Anzahl von Items sicherlich akzeptabel. Der Grundgedanke, daß Seiten, die von anderen Seite aus aufgerufen werden, automatisch dort untergeordnet werden, ist eigentlich gut.
Ich hätte aber ein Problem damit, daß beim Schließen eines Tabs die untergeordneten mit geschlossen werden, wg. folgender nicht seltener Szenarien:

a) Suche mit Google, die Fundstellen werden in neuen Tabs geöffnet. Irgendwann brauche ich die Google-Seite nicht mehr, aber die Tabs mit den Fundstellen.

b) Beim Klicken durch eine Site werden oft Seiten in neuen Tabs geöffnet, was zu einer entspechenden Baum-Hierarchie führt. Letztlich will ich aber nur die Detailseite behalten, die übergeordneten sind überflüssig.

Sicherlich lösbar über zwei unterschiedliche Funktionen zum Schließen, es muß nur gemacht werden.

Fein finde ich die Möglichkeit, den Baum bzw. Teile davon zu collapsen; obwohl, damit wird die Gefahr wieder größer, daß man zu viele Tabs offen hat.