uxzentrisch erörtert:
Über Umwege zu schnellen Websites

Im Dezember haben verschiedene Meldungen nahegelegt (z.B. im webworker blog), dass im Jahr 2010 das Thema Ladezeiten von Webseiten eine ganz neue Bedeutung bekommen wird. Diesmal getrieben von Google.

Anlass war unter anderem eine Erweiterung der Google Webmaster Tools. Dort bekommen Site-Betreiber nun auch Aufschluss über die Ladezeiten auf Ihrer Website. Diese Daten erhebt Google über den Google Toolbar. Neben der Statistik erhält der Site-Betreiber konkrete Empfehlungen, wie er die Performance seiner Site verbessern kann.


Abbildung oben: Page Speed Graph aus Google Webmaster Tools für uxzentrisch.de. Wie man sieht, haben wir optimiert :)

Ebenfalls zu den Spekulationen beigetragen hat ein Video von Google, in dem sehr vage Aussagen darüber gemacht werden, ob die Site-Performance eines Tages eine Rolle beim Ranking im Suchergebnis von Google spielen könnte. Hier spätestens musste die SEO- und E-Commerce-Gemeinde hellhörig werden. Der Tenor des Videos ist allerdings ganz klar: Momentan spielt Performance beim Ranking keine Rolle. Über konkrete Pläne, das zu ändern, wird keine Aussage gemacht.

Trotzdem haben die Gerüchte, Überlegungen und neuen Tools rund um die Bedeutung der Ladezeit in den letzten zwei Monaten einen erfreulichen Effekt gehabt: Das Thema Ladezeit bekommt wieder neue Aufmerksamkeit. Und es schadet nicht, dass diesmal nicht die User Experience-, sondern der Business-Seite die treibende Kraft hinter den Überlegungen ist, wie gute Performance von Websites und Web-Applikationen erreicht werden kann.

Eine Randnotiz: Für Sites, die Traffic per AdWords-Anzeigen einkaufen, ist die Ladezeit der Zielseite schon seit längerem von besonderer Bedeutung, denn sie fließt laut offiziellen Aussagen von Google in den »Qualitätsfaktor« der Zielseite mit ein.

Aber nicht nur Spekulationen aus der SEO-Ecke helfen uns weiter, das Thema Performance besser zu verstehen und zu promoten. Dass Google sich des Themas verstärkt annimmt, bringt noch einen weiteren Vorteil: Mit Page Speed hat Google ein Browser-Plugin sowie nützliches Knowhow für die Diagnose und Optimierung der Performance von Websites veröffentlicht. Etwas ähnliches hatte Yahoo! bereits vor längerer Zeit mit dem YSlow (gelesen: »Why Slow?«) Plugin begonnen.


Abbildung oben: Page Speed Report zu uxzentrisch.de

Das Page Speed Addon, das wie YSlow auf dem Firebug Addon aufsetzt, macht auf den ersten Blick sehr ähnliche Dinge wie das Vorbild von Yahoo: Es analysiert die Seite, die der Nutzer gerade geöffnet hat, mitsamt allen eingebundenen Ressourcen und überprüft diese anhand verschiedener Heuristiken auf Optimierungsmöglichkeiten. Dabei geht Page Speed weiter als YSlow und überprüft beispielsweise für jede Grafik, ob diese noch besser hätte komprimiert werden können. So erfahren wir, dass wir auf der uxzentrisch Startseite bei den Abbildungen noch ca. 127 KB hätten einsparen können.

Interessanter noch als diese Optimierungen an einzelnen Grafiken und Dateien sind jedoch andere Vorschläge, die Page Speed (und auch YSlow) ins Blickfeld rücken: »Leverage browser caching« heißt das beispielsweise bei der Google-Variante und bedeutet in der Praxis, dass man mit wenigen, einfachen Eingriffen in die Server-Konfiguration dafür sorgen kann, dass Ressourcen nur einmal vom Client angefragt werden. Über solche Anregungen freuen sich sogar Techniker, die für die Server verantwortlich sind, denn es hilft dabei, die Maschinen von vermeidbarer Arbeit zu entlasten, damit unvermeidbare Arbeit schneller zu erledigen und die Bandbreite zu schonen.

Gute Performance sollte allen, die sich um Web User Experience kümmern, am Herzen liegen. Mit Tools wie YSlow und Page Speed wird Performance leichter messbar und die Kommunikation in Richtung Technik/Entwicklung wird einfacher.

Spätestens, wenn dann Google tatsächlich durchsickern lässt, dass Performance ein Ranking-Kriterium geworden ist, werden auch die Business-Leute YSlow und Page Speed im Blick haben und versuchen, noch die eine oder andere Performance-Optimierung durchzusetzen. Bis dahin warten wir UX-Leute auf mehr nachvollziehbare und unabhängige Studien, die belegen, dass schnelle Websites schon heute mehr Umsatz machen als langsame.

Update (26. Januar 2010): Im Blog von Matt Cutts, dem Google Mitarbeiter, der bereits im oben erwähnten Video für Spekulationen gesorgt hat, habe ich ein weiteres interessantes Video gefunden. Hier gibt Matt Cuts seinen Konferenzbeitrag zur PubCon 2009 wieder. Etwa ab Minute 8:30 spricht Cutts hier noch einmal über Googles Bemühungen, dem Web zu mehr Geschwindigkeit zu verhelfen. Die Andeutungen, dass Webmaster mit einer Optimierung der Website Performance im Jahr 2010 möglicherweise auch das Ranking verbessern können, wird hier ziemlich deutlich ausgesprochen. So deutlich es eben geht, würde ich sagen.

Update (27. Januar 2010): Ein weiteres Tool, das Matt Cutts in seinem oben genannten Video erwähnt, stellen wir in einem eigenen Beitrag etwas ausführlicher vor: Performance Testing mit Webpagetest.org.

4 Kommentare

Francis vor 6 Jahren

Hallo Marian,

vielen Dank für die Erwähnung meines Artikels!

Die Performance einer Webseite, besonders im E-Commerce, hat natürlich jetzt schon einen signifikanten Einfluß auf das Kaufverhalten. Ob und vor allem wie stark der Faktor Pagespeed in das Ranking einfließen wird, ist allerdings noch schwer abzuschätzen. Aber wie gesagt, Ranking ist nicht alles und eine gute Usability eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Website.

Schöner Artikel, hab euren Blog in meinen Feeds :-)

Grüße
Francis

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