uxzentrisch zitiert:

»In the technology industry we tend to focus a lot on the underlying computing model and how best to deliver functionality and value. That makes sense, because it’s core to what we do. But as an industry [we] need to move beyond this conversation. Ultimately User Experience is what matters.«

Cisco CTO Padmasree Warrior in 5 Predictions for the Future of Collaboration #2, via Putting People First

4 Kommentare

Peter Scheidt vor 6 Jahren

Solche Zitat verblüffen mich hin und wieder. Was ist so neu an der Erkenntnis, dass Nutzererfahrung das zentrale Erfolgskriterium ist für ein Produkt?

Ich meine, sind wir mal ehrlich: Wann war das je anders? Selbst im alten Rom konnte mit Sicherheit nur der Bäcker auf Dauer ein Geschäft machen, der verlässlich gutes und leckeres Brot zu vernünftigen Preisen anbot. Umgekehrt galt damals wie heute, dass wer ein Produkt anbietet, das an den Nutzerbedürfnissen vorbeigeht (also eine negative Nutzererfahrung auslöst), damit in der Regel auch keinen Erfolg hat.

Vielleicht liegt es daran, dass in unserer fortschrittsgläubigen Welt das Credo gilt »Die Technik wird’s schon richten« und wir uns die Grundlagen noch einmal neu bewusst machen müssen.

Oder weil die Werbung es geschafft hat, positive Nutzererfahrungen zu versprechen, die die Produkte zu oft nicht einlösen konnten. Und weil die Hersteller ihrer eigenen Werbung mehr vertrauen als dem gesunden Menschenverstand, sind sie jetzt total verblüfft, dass die Nutzer ihrer Produkte so manches ganz anders sehen als die Marketing-Abteilung das vorhatte.

Marian Steinbach Autor vor 6 Jahren

Hallo Peter! Erst mal freut es mich, dass so ein Zitat offenbar dazu geeignet ist, eine Diskussion auszulösen. :)

Was mich dazu bewegt hat, das Zitat hier zu posten, war die Tatsache, von wem es kommt: Einem (dem?) »Chief Technical Officer« von Cisco. Mit Betonung auf »Technical«.

Diese Menschen haben in der Regel einen technischen Hintergrund, sind Ingenieure und haben sich über lange Zeit vor allem mit einem befasst: Mit Technik. Du sprichst von Fortschrittsgläubigkeit, ich würde es Technikgläubigkkeit nennen, was diese Zunft seit langem bewegt hat und immer noch bewegt. Und in der Tat gibt es aus Sicht der Cisco-Ingenieure auch wenig daran zu Rütteln. Ohne Ihre Hardware gäbe es kein Internet. Punkt.

Bemerkenswert ist eben für mich, dass selbst jemand in einem solchen Hardcore-Technik-Konzern wie Cisco jemand den Blick in Richtung Mensch lenkt. Wir können darüber spekulieren, warum das passiert. Ciscos Produkte verstecken sich nicht mehr nur dort, wo die Läfter brüllen und nur Nerds den Zugang haben, sondern stehen auf unseren Schreibtischen. Millionen Menschen, wie wir auch, nutzen täglich dutzende Male Cisco IP-Telefone.

Gut möglich, dass Cisco sich hier in einem Umdenk-Prozess befindet. Den haben andere Technologie-getriebene Unternehmen (z.B. Apple) schon vor langem eingeschlagen, viele andere scheinen ihn aber noch vor sich zu haben.

Peter Scheidt vor 6 Jahren

Ah, den Zitat-Lieferant hatte ich mir gar nicht so genau angesehen. In der Tat, damit gewinnt es natürlich noch mal mehr an Bedeutung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Nutzer der Produkte, mit denen Cisco groß geworden ist, tatsächlich vermutlich sehr geringe Ansprüche in Richtung nutzerzentriertes Design hatte. Da war und ist »funktionieren« zentral und ein nutzerfreundliches Interface bspw. nachrangig. Handbücher lesen ist vermutlich auch eher selbstverständlich für den Admin im DE-CIX ;-)

Vielleicht ist dieser Schritt auch nur die logische nächste Stufe. Entscheidend für Ciscos Erfolg war doch, dass sie die Kernaufgabe vernünftig gelöst haben. Dieser Zustand ist jetzt erreicht, sie beherrschen die zugrundeliegende Technologie, deren Funktionalitäten und deren Funktionieren inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.

Und nun stellte sich die Frage: »Reicht das für die Zukunft?« Antwort war vermutlich: »Nein, wir müssen darüber hinaus gehen, uns weiterentwicklen.«

Frage: Wäre der umgekehrte Weg auch erfolgreich gewesen? Hätte sich Cisco der Router- und Switchentwicklung von Anfang an konsequent aus der Nutzersicht genähert, wären sie dann auch Marktführer geworden? Hätten wir heute gleich gute, bessere oder schlechtere Technologie zur Verfügung?

Arno Karrasch vor 6 Jahren

Naja, er fragt im Kern »how best to deliver functionality and value«, und das ist eine Frage, deren Antwort sich eben von Zeit zu Zeit ändert.