uxzentrisch erörtert:
Werbebudget verschwenden durch Missachtung mobiler Nutzer

Seit mindestens zehn Jahren gilt offensichtlich die Regel, dass ein Unternehmen, wenn es nicht als völlig zurückgeblieben dastehen will, einen Webauftritt haben muss. Um öffentlich zu kommunizieren, dass man mit der Zeit geht (und natürlich um endlich Traffic auf die teuer bezahlte Website zu bringen), lässt man seitdem die Domain in Fernsehspots und auf Plakatwerbung ganz selbstverständlich mit erscheinen.

Wenn sich im Jahr 2000 jemand beim Warten auf den Bus ein Werbeplakat ansah, auf dem eine Domain zu lesen war, dann passierte vermutlich in den allermeisten Fällen erst mal gar nichts.

Im Jahr 2010, drei Jahre nach der Einführung des iPhones und zwei Jahre nach Veröffentlichung der ersten Android-Version, sieht das schon etwas anders aus. Wo immer Menschen heute warten und nach ein wenig Zeitvertreib suchen, werden Smartphones herausgekramt und SMSe geschrieben, Mails abgerufen und Browser geöffnet. Die Wahrscheinlichkeit, dass die URL auf einem Werbeplakat unmittelbar von einem mobilen Nutzer aufgerufen wird, hat sich in den letzten drei Jahren drastisch erhöht.

Wer ein wenig gelangweilt und außerdem neugierig ist und über ein internetfähiges Smartphone verfügt, wird eine Botschaft wie

»Es gibt 82 Millionen gute Gründe für Deutschlands neue große Versicherung. Wir freuen uns auf Ihren: www.ergo.de»

als Einladung verstehen, mal nachzuschauen, was es da so gibt.

Umso unverständlicher ist es dann, wenn ein Unternehmen, das vollmundig mit einer Botschaft wie der obigen kommuniziert, einen iPhone-Nutzer an der Eingangstür abprallen lässt. Denn die Ergo Startseite, auf der man unabhängig vom verwendeten Browser landet, enthält als wesentliches Merkmal ein Flash-Element mit Link auf die Seite www.millionen-gruende.de.

Es wäre eine Kleinigkeit, für das Flash-Element eine Alternative ohne Flash anzubieten und damit den Link zu millionen-gruende.de auch iPhone-Nutzern zugänglich zu machen. Denn millionen-gruende.de funktioniert tatsächlich auch ohne Flash.

Das Versäumnis ist bei Ergo besonders unverständlich, weil die Botschaft so sehr auf Mitmachen und nutzergenerierte Inhalte hindeutet. Weiter entfernt von »Mitmachen« als das Erlebnis eines iPhone-Nutzers auf ergo.de kann User Experience kaum sein.

Wer übrigens glaubt, dass Android-Nutzer hier deutlich besser dastehen, hat gefehlt: Android-Nutzer können zwar das Flash-Element auf der Startseite von ergo.de sehen und den Link zu millionen-gruende.de aufrufen. Spätestens dort jedoch endet der Pfad der Conversion, zumindest auf allen uns verfügbaren Geräten. Denn die Flash-Site stellt Anforderungen, denen die mobilen Geräte offenbar noch nicht gewachsen sind.

Soviel zur Ergo-Kampagne. An anderer Stelle wurde ja bereits genug darüber geschrieben (Open Source PR, rheinformat, blog.rebellen.info).

Was hier hängen bleiben soll: Werbekampagnen, die sich der Außenwerbung bedienen und URLs kommunizieren, benötigen einen Mobile-First-Ansatz. Das bedeutet: Die Frage, wie ein mobiler Webnutzer – idealerweise auch die Mehrheit mit dem aktuell am weitesten verbreiteten Smartphone – abgeholt wird, muss frühzeitig beantwortet werden.